Montag, 18. Januar 2010

Bleib gesund

... ist in Irland die Devise! Wenn nicht, ist man aufgeschmissen! Es geht noch bei kleineren Wehwechen, sollte man jedoch ernsthaft krank werden, hat man ein riesen Problem.

Irlands Gesundheitssystem ist ein schlechter Witz. Man koennte sogar sagen: es gibt garkeins. Meldungen ueber Stellenstreichungen in Krankenhaeusern, fehlende Betten, mangelnde Hygiene, unqualifiziertes Personal etc. sind Nachrichtenalltag. Neurdings will man sogar den Zugang der Patienten in die Krankenhaeuser reduzieren. Natuerlich liegt es mal wieder am fehlenden Geld.

Das muss man sich mal vorstellen: dieses Land wurde in den letzten 20 Jahren von der EU gesponsert. Auslaendische Firmen haben hier investiert.

Was ist daraus geworden? Was hat sich veraendert?

Einfache Antwort: nicht viel, ausser das alles sehr viel teurer wurde und einige sehr viel reicher geworden sind, nachdem sie sich dieses Geld unter den Nagel gerissen haben! Der Geldfluss aus der EU versiegte und Investoren investieren jetzt woanders. Der Traum vom immerwaerenden Wohlstand ist geplatzt und geblieben ist ein unvollendetes Projekt. So wie ein Rohbau, an dem nicht mehr weitergebaut wird.

Ich will jetzt auch garnicht weiter darueber fabulieren. Es wurde und wird nach wie vor viel davon in den Medien berichtet. Vielmehr will ich einfach mal erzaehlen, wie es uns kleinen Leuten so geht.

Hat man eine Krankenversicherung bedeutet das im Grunde genommen, dass man nur versichert ist wenn man in's Krankenhaus geht. Natuerlich kann man auch eine Versicherung abschliessen die alles abdeckt, nur das koennen sich die wenigsten leisten. Also ist man im Krasnkenhausfall versichert, den Hausarzt und Zahnarzt muss man aus der eigenen Tasche zahlen.

Je nachdem kostet das beim ersten Praxisbesuch zwischen 80 bis 180 Euro und danach 40 bis 65 Euro fuer jeden weiteren. Das gilt mehr oder weniger fuer Haus- und Zahnarzt.

Es gibt die Moeglichkeit die Medical-Card zu beantragen. Das ist so eine Art Sozialunterstuetzung, wo der Staat die Arztkosten uebernimmt. Die bekommt man aber nur, wenn man nachweisen kann, dass man auch wirklich beduerftig ist. Die Medical-Card ist nur ein halbes Jahr gueltig. Danach muss man wieder zum Healthboard, um eine neue zu beantragen. Das Healthboard ist das Gesundheitsamt und hier in Ennis eine relativ kleine Institution. Der oder die Sachbearbeiter/in fuer die Medical-Card kommt nur einmal die Woche: Mittwochs von 11.00 - 13.00 Uhr. So kommt es nicht selten vor, dass die Leute bis hinaus auf die Strasse Schlange stehen. Bei ung. 30.000 Einwohnern kann man sich ja vorstellen, wie es dort zugeht. Viele, die wirklich beduerftig sind, gehen erst garnicht da hin und manchmal hat man den Eindruck, dass die Behoerde genau das beabsichtigt! Antraege per Post schicken ist nicht drin.

Sollte man in den Genuss einer Medical-Card kommen, so ist das keine Garantie fuer eine Behandlung, da gerade Zahnaerzte sie oft nicht akzeptieren. Kommt auch auf die Behandlung an.

Die Qualitaet bzw. das Know-How der Aerzte ist auch so eine Sache. Einer von fuenf hier in Ennis ist gut. Den Rest kann man sich sparen. Ella geht zu einer deutschen Frauenaerztin nach Limerick. Eine Strecke von hin und zurueck 90km. Die Erstbesuch kostete 180 Euro. Jeder weitere 45 Euro.

Das "Lustige" an der ganzen Sache: Jahrelang haben wir in Deutschland in das Gesundheitssysem eigezahlt, obwohl wir es relativ wenig in Anspruch genommen haben. Man war jung und gesund. Jetzt, wo man aelter wird und die Zirpelein zum Alltag gehoeren, lebt man in einem Land, wo man sich den normalen Arztbesuch nicht leisten kann!

Ein weiterer Grund hier wieder zu verschwinden ...

Sonntag, 17. Januar 2010

Ruhestoerung

Gerade wird in einem Forum ueber Ruhestoerung in Irland diskutiert. Was macht man als Betroffener?

In Deutschland ruft man die Polizei. Die kommen dann auch meistens und oft ist die Sache damit erledigt. In Irland ruft man die Garda und die kommen meistens nicht. Warum? Keine Ahnung! Entweder ist die Polizei hier unterbesetzt oder sie hat gerade was besseres zu tun oder sie kuemmert sich einfach nicht drum. Traurige Tatsache: man ist eben oft auf sich allein gestellt.

Was macht man in so einem Fall?

Es gibt mehrere Moeglichkeiten:

1. Man zieht um oder zieht von vorneherein in eine Gegend wo's ruhiger ist
2. Man wendet sich an den Vermieter. In einem Appartement-Block kuemmert sich das Management darum indem sie eine Security-Firma beauftragt.
3. Man geht zur Garda-Station (wenn's sein muss auch mitten in der Nacht) und geht denen solange auf den Sack, bis sie was unternehmen
4. Man spricht mit dem obersten Garda Inspektor persoenlich. In meinem Fall hat das Wunder gewirkt!
5. Man schliesst sich mit den Nachbarn zusammen und rueckt dem Unruhestifter gemeinsam auf die Pelle.

Last but not least: man wendet die Mafia-Methode an, d.h. man beauftragt jemanden, der sich der Sache annimmt oder man macht es selbst. Das sollte jedoch nur als allerletzte Option in Erwaegung gezogen werden, naemlich dann wenn die o.g. fuenf Methoden nicht funktionieren. Doch hier ist Vorsicht geboten: diese Methode ist nicht nur illegal, sondern auch gefaehrlich! Eine genaue Planung zur Umsetzung ist daher dringend erforderlich. Ein wichtiger Faktor ist, dass man erstmal weiss, mit wem man es da ueberhaupt zu tun hat. Es gibt genug Verrueckte da draussen, mit denen nicht zu spassen ist. Diese sind jedoch der Polizei meistens schon bekannt und damit deren Sache. Bei "normalen" Leuten helfen oft die simpelsten Methoden. Beispiel:

Eine deutsche Bekannte hatte rumaenische Nachbarn, die Tag und Nacht Randale veranstalteten.
Nachdem sie versuchte im gegenseitigen Gespraech die Sache zu regeln und auch mehrere Anrufe bei der Garda nichts brachten, wendete sie sich an ihren Freundeskreis. Kurzerhand beschloss eine deutsche Familie (Vater, Mutter und Sohn) zu handeln: sie zogen ihre Fussball-Trikots an (Bayern Muenchen), nahmen die deutsche Fahne, fuhren zum rumaenischen Haus, parkten dort, stiegen aus und liessen deutsche Musik laufen. So blieben sie ung. eine Stunde stehen und starrten mit finsteren Blicken zu den Rumaenen, die sich eingeschuechtert in ihr Haus verkrochen. Seitdem gab es auch keine Randale mehr.

Manchmal muss man eben einfach mal seine Fantasie spielen lassen ...

Samstag, 16. Januar 2010

November, Januar und Februar

... sind die schlimmsten Monate in Irland! Wer sich's leisten kann macht in dieser Zeit einfach die Flatter.

November: Wetter ist scheisse, niemand geht weg, keiner hat Geld, alle sparen fuer Weihnachten.
Januar und Februar: Nach Sylvester tote Hose, die Leute haben noch weniger Geld, Wetter ist wieder scheisse, alle sind frustriert.

Eigentlich koennte man den Dezember noch mit dazunehmen, um dem Weihnachtswahnsinn zu entgehen. Sylvester in Irland ist sowieso ein Lacher.

Freitag, 15. Januar 2010

NCT



Gestern war ich beim NCT (irisch
er TÜV). Mein Nissan XTrail ist jetzt vier Jahre alt und muss nach irischen Bestimmungen auf den Pruefstand. Hatte keinerlei Bedenken deswegen. Das Auto ist top in Schuss. Wenn ich eins gelernt habe, dann ist es mein Auto zu pflegen: regelmaessige Inspektionen und Oelwechsel sind Pflicht. Es gibt nix schlimmeres als morgens einzusteigen, den Schluessel umzudrehen und es passiert nichts! Oder vollbeladen zu einem Gig fahren und mitten in der Pampa wegen einer Panne stehenzubleiben! Alles schon passiert ...

Der XTRail ist von der Anschaffung und Unterhaltung das teuerste Auto das ich jemals hatte. Vor zwei Jahren hatte ich mir bei Sheils in Ennis einen gebrauchten Ford Focus gekauft: 150.000 km, sehr geraeumig und gut in Schuss. Trotzdem war ich nicht zufrieden. Bei den irischen Strassenverhaeltnissen haette das Auto nach ein zwei Jahren genauso ausgesehen wie mein von Deutschland ueberfuehrter Passat: total zerlegt! Also musste etwas robusteres her. Wenn es ein europaeisches Land gibt wo SUV's eine Daseinsberechtigung haben, so ist es Irland. Nirgendwo sonst sind die Strassen schlimmer als hier!

Der XTrail vereinigt alles was mein Herz begehrt: er ist robust, geraeumig, schnell und fuer ein SUV relativ klein. Der 115PS starke Diesel verbraucht 10 Liter bei 100 km/h. Er hat mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen. Was will man mehr?

Dienstag, 12. Januar 2010

Karaoke



Gestern Abend wurde die Weihnachtsfeier im Rowan-Tree-Hostel nachgeholt. Ella hatte die Idee einen Karaoke Abend daraus zu machen. Anfaenglich war ich nicht so begeistert, da ich meinen Karaoke Krempel erstmal wieder zusammensuchen musste. Doch letztendlich war es eine gute Entscheidung und der Abend war ein voller Erfolg!

Ungefaehr 30 Gaeste waren anwesend, alles Mitarbeiter des Hostels/Restaurants. Es gab genuegend zu essen und zu trinken, die Stimmung war gut. Nachdem die Geschenke verteilt wurden ging's los. Am Anfang traute sich niemand so recht, doch dann kamen nach und nach die Leute und am Ende wollten sie garnicht mehr aufhoeren. Das Besondere: man stelle sich einen Karaoke Abend mit gut angetrunkenen Iren, Russen, Ungarn, Franzosen, Deutschen, Polen, Slovaken und Argentiniern vor! Will jetzt nicht in's Detail gehen und sage deshalb nur: lustig war's!

In Deutschland haben wir oft Karaoke in Irisch Pubs veranstaltet. Als ich dann nach Irland kam dachte ich, dass es hier bestimmt supergut laufen wuerde. Doch im Gegensatz zu den Englaendern sind die Iren nicht so Karaoke begeistert. Warum? Weil sie sich in der Oeffentlichkeit nicht vor allen Leuten blamieren wollen! Auf privaten Veranstaltungen koennte es ganz gut laufen (so wie gestern), doch in Pubs ist das kein Thema. In Dublin soll es jedoch Pubs geben die es anbieten: dort kann man sich in kleinen Gruppen in Kabinen zurueckziehen und loslegen.

Wer haette gedacht, dass die Iren da so scheu sind!

Wenn ich mir aber auf der anderen Seite vorstelle wie es abgehen wuerde wenn sich trauen wuerden! So eine Karaoke Veranstaltung in einem Pub koennte dann sehr schnell im absoluten Chaos enden!

Von daher bin ich ganz froh,. dass es so ist wie es ist ...

Sonntag, 10. Januar 2010

Irish Pub IV



Auftreten im Pub ist nicht immer nur scheisse. Gottseidank! Ich habe auch sehr viele gute und vor allem ereignisreiche Gigs gespielt. In Deutschland ist es schon so, dass das Irish-Pub-Publikum ein gewisses Mass an Interesse mitbringt. Wo kann man denn sonst einen gemuetlichen Abend mit einem pint Guinness und live-Musik verbringen? Jedesmal wenn ich dort gespielt habe, versuchte ich Stimmung zu machen. Meistens hat es auch geklappt. Komischerweise dachte ich immer, dass die Leute keine Lust haetten und man sie deshalb irgendwie animieren muesste. Verglichen mit dem irischen Publikum ist das deutsche aber um einiges besser. Wer haette das gedacht?

Bevor ich nach Irland gegangen bin habe ich Storys von Leuten gehoert, die schon da waren: Du musst unbedingt dorthin, das ist das Mekka fuer Musiker. Was Musik angeht, sind die Menschen dort ganz anders als wir Deutschen, die schaetzen das viel mehr. Fuer die ist Musik Leben ... usw.

Ich frage mich: Was ist daraus geworden?!

Ich denke, es ist der Wohlstand, der nicht nur das Leben, sondern auch die Pub-Kultur der Iren veraendert hat. And the grass is not always greener on the other side ... auch wenn es Irland ist!

Was sich nicht veraendert hat ist der Alkoholkonsum! Genauso der Sportwahn.

Werde nie vergessen, wie ich an einem Sonntag Nachmittag in der “Library Bar” gespielt habe. Zuerst war ueberhaupt nix los. Alle waren beim oertlichen Hurlingmatch. Danach kamen jedoch die Fans beider Mannschaften. Innerhalb weniger Minuten ging es von 0 auf 100! Vor mir stand eine junge Dame, die nach einem Song fragen wollte. Sie machte gerade den Mund auf als die Schlaegerei losging und flog quer ueber mich drueber hinten in die Ecke! Nur ihre hochhackigen Schuhe blieben vor mir stehen! In solchen Momenten wuenscht man sich als Musiker in einem Kaefig zu spielen ... so wie die Blues Brothers “We play everything: Country and Western ... you know!”

Oder mein Bekannter “Martin from Ireland”, dem ein paar Jungs bei einem Auftritt die komplette Anlage regelrecht niedergerissen haben, weil ihnen sein Gesicht nicht gefiel! Danach packte Martha einfach ein und fuhr nach hause.

Kevin, ein anderer Musiker-Kollege und Freund, spielte jahrelang jeden Samstag Abend im “Cruises”. Versoff seine halbe Gage mit Jameson-Whiskey und lebte so seinen Traum vom “Rock’n Roll”. Heute lebt Kevin in Frankreich und rockt die Franzosen.

Jeder hat so seinen Traum. Ich lebe meinen schon seit ueber dreissig Jahren, als ich zum ersten mal die Gitarre in die Hand genommen habe. In dieser Beziehung hat sich nicht viel bei mir geaendert. Bin genauso bekloppt wie damals, nur etwas zynischer. Werde auch weiterhin in Pubs spielen. Wo sonst?