Montag, 28. Februar 2011

Goodbye my Love ...




Blümchen hat als Administrator im Irlandforum.de das Handtuch geworfen! Ich habe deswegen den Blog irlandinside-my-ass stillgelegt. Macht ja so keinen Spaß mehr! Es haben sich ja einige Leute bei Google darüber beschwert irlandinside-my-ass wäre zu anstößig. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen! Aber ich möchte diesen Leuten folgendes mitteilen: Der Blog wurde stillgelegt, nicht gelöscht. Wenn ihr mich also weiterhin ärgert, mache ich ihn wieder auf!

Und jetzt noch ein Nachruf an Blümchen. Oder um es mit Demis Roussos Worten zu sagen:

hear the wind sings a sad old song
it knows I'm leaving you today
please don't cry oh my heart will break
when I'll go on my way

goodbye my love goodbye
goodbye and au revoir
as long as you remember me
I'll never be too far
goodbye my love goodbye
I always will be true
so hold me in your dreams til I come back to you
see the stars in the skies above
they'll shine wherever I may roam
I will pray every lonely night
that soon they'll guide me home

goodbye

*schluchz*

Freitag, 25. Februar 2011

Matratze

Wie bekomme ich eine Matratze günstig von Deutschland nach Irland geliefert? Das ist die Frage, die uns im Moment sehr beschäftigt! Auf jeden Fall mehr als die komischen Neuwahlen, die heute stattfinden und bei denen sich hierzulande sowieso nichts ändern wird.

Die Matratze hat eine Größe von 1,6 auf 2 Meter, ist aufgerollt und 80cm hoch. Was sie wiegt kann ich nicht sagen, soll aber leicht sein.

Bevor jetzt irgendjemand die Frage stellt, ist es wirtschaftlich sinnvoll: ja, es ist! Belassen wir es also dabei.

Also nochmal: wie bekomme ich das Ding günstig nach Irland geliefert?!

Montag, 21. Februar 2011

Musik: Irland II


Die heißen Mädels von Wexford!



Mein erster Pubgig in Irland!



Wexford
Am nächsten Morgen ging ich zur Central Bus Station, kaufte ein Ticket nach Wexford und sagte Dublin goodbeye. Ich war froh aus dieser Stadt raus zu kommen. Auf den ersten Blick hatte es mir dort überhaupt nicht gefallen. Mir fehlte die Zeit und auch das nötige Kleingeld, um diese Stadt besser kennenzulernen. Außerdem wollte ich den Rest des Landes bereisen. Wäre ich nur eine Woche in Dublin geblieben, wären meine Finanzen aufgebraucht gewesen. Ich hoffte, dass es woanders mit der Straßenmusik besser klappen würde. Während der Fahrt ließ ich in Gedanken den gestrigen Tag Revue passieren. Ich hatte in Dublin so gut wie keine Restaurants, Cafes oder Pubs gesehen wo man draußen sitzen konnte, von Biergärten ganz zu schweigen. In einem Land wo es so gut wie ständig regnet, spielt sich ein Großteil des Lebens drinnen ab. Außerdem war alles schweineteuer! Einen Kebab für ein paar Euro suchte man hier vergebens. Selbst wenn man in einen Supermarkt ging, um sich dort etwas kostengünstiger zu versorgen, war es mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Das machte mir Sorgen. Ich fragte mich, ob es in Irland überall so teuer sei.

Ich schaute aus dem Fenster und betrachtete die Landschaft. Wir fuhren in südliche Richtung, raus aus der Stadt. Es dauerte eine ganze Weile, doch langsam verschwanden die Hochhäuser, Autobahnen und Schnellstraßen. Wir blieben in der Nähe der Küste und bald konnte ich wunderbare Aussichten von den grünen Hügeln runter auf das Meer genießen. Auch bewunderte ich die wunderschönen Häuser, die weit verstreut in die Landschaft gebaut wurden. In Deutschland undenkbar, hier anscheinend Normalität. Ab und zu sah ich auch ein Cottage, doch eher selten. In kleineren Städten oder Ortschaften standen alte und vor allem bunte Häuser entlang der Straße. Außerhalb der Stadt machte die Umgebung einen ruhigen und gemütlichen Eindruck auf mich.

Nach ein paar Stunden erreichten wir Wexford Town am River Slaney. Wexford Town ist eine kleine Hafenstadt mit ungefähr 18.000 Einwohnern in der gleichnamigen Grafschaft. Als ich dort ankam war es noch ein relativ ruhiges, beschauliches Nest mit einer lebhaften Hafenpromenade und einem alten Stadtkern aus der Zeit der Normannen. Der Hafen hatte allerdings keine große Bedeutung mehr, da er versandete. Zwei Jahre später wurde das Key West Centre am Kai-Ufer sowie das White's Hotel im Zentrum gebaut. Damit wollten die Stadtplaner Wexford einen internationalen Touch verleihen und mehr Touristen anlocken.

Ich lief voll bepackt von der Bushaltestelle über die 400 Meter lange Brücke auf die andere Seite des River Slane, den Hügel hinauf zum Camping-Platz. Dort suchte ich mir eine schöne Stelle mit Blick auf das Meer und baute zum ersten Mal mein Zelt auf. Das Wetter war herrlich, die Luft sauber und klar. Es wehte ein leichter, warmer Wind. Ich fühlte mich pudelwohl. So um die Mittagszeit ging ich mit meinem Gitarrenkoffer in der Hand zurück über die Brücke Richtung Stadtmitte und fing an zu spielen. Ich stand am Bullring vor der Pikeman Statue, direkt gegenüber der Undertaker Bar.

Der Bullring von Wexford City ist berühmt wegen seiner Geschichte. Dort wurde von den Normannen die Bullhatz betrieben, daher auch der Name. Der berühmte Engländer Oliver Cromwell veranstaltete ein Massaker am Bullring, als er im 17. Jahrhundert 5000 Menschen hinrichten und die Stadt bis auf die Grundmauern niederbrennen ließ. Im Jahr 1798 wurde dort zum ersten Mal die irische Republik ausgerufen und seit 1904 erinnert die Pikeman Statue an die Rebellen, die mit Spießen gegen die Engländer kämpften.

Ich stand also am Bullring, die Autos fuhren an mir vorbei und hier und da kam auch mal ein Fußgänger daher, der mir ein paar coins in den Gitarrenkoffer warf. Die Undertaker Bar hatte ein großes Schaufenster zur Straße hin. Drinnen saßen Leute, tranken Bier und beobachteten was draußen so passierte. Neugierig kamen einige vor die Tür. Irgendwann schlenderte einer von ihnen über die Straße zu mir rüber, mit einem pintGuinness in der Hand und fragte, ob ich nicht Lust hätte in die Bar zu kommen. Der Typ hatte eine Glatze und einen konisch geformten Kopf. Er erinnerte mich an die Coneheads des gleichnamigen Films. Ich sagte ich würde auf jeden Fall vorbeikommen, doch vorher müsste ich noch ein wenig Geld verdienen.

„Whenever you’re ready“ meinet er.

Gleichzeitig tauchte ein junges Mädchen auf und legte mir 10 Euro in den Koffer. Conehead schaute verdutzt und warf noch ein paar coins hinterher. Ich dachte wenn es so weitergeht, würde ich auf jeden Fall einen längeren Aufenthalt in Wexford einplanen. In der kurzen Zeit hatte ich schon so um die 30 Euro verdient. Mehr als an einem ganzen Tag in Dublin!Nach ungefähr zwei Stunden ging ich in die Bar. Man begrüßte mich wie einen alten Freund. Die Jungs am Schaufenster riefen mich zu sich rüber und fragten was ich trinken wolle. Mir viel nichts Besseres ein und ich sagte Guinness. Schwupps hatte ich drei volle pints vor mir stehen! Ein pint Guinness ist ein Glas mit 568 ml dunklem irischem Bier, 4,2 % Alkohol und 198 Kalorien. Da standen also mehr wie anderthalb Liter von diesem Gebräu vor mir und ich bezweifelte, dass sich der bekannte Slogan „Guinness is good for you“ in meinem Fall bewahrheiten könnte. Zumal es nicht bei drei pints bleiben würde! Ich muss dazu sagen, ich trinke kaum Alkohol.

„Ich trinke eigentlich nicht so viel“ meinte ich.

Die Jungs schauten mich nur verdutzt an und riefen dann alle gleichzeitig „Pussy, puuussy!“

Als dann auch der Rest der Bar mit einstimmte, gab ich klein bei und trank das erste pint auf ex! Die Menge jubelte und ich fühlte mich großartig! Alle wollten wissen wie ich heiße, woher ich kam und was ich in Irland machte. Jeder stellte sich mit seinem Namen vor. Ich sagte zu Conehead, dass er aussehen würde wie Conehead und ob es ihm was ausmachte, wenn ich ihn so nennen würde. Die Menge fing wieder an zu kreischen und einer viel fast vom Stuhl! Die Stimmung war ausgelassen und ich dachte wenn das doch blos die Ella sehen könnte. Also nahm ich mein Handy rief sie an.

„Schatz, du musst dir das unbedingt mal reinziehen!“ sagte ich. Daraufhin machte ich den Fehler und hielt das Handy in den Raum.

„Meine Frau ist am Telefon“ rief ich. Jetzt fingen wieder alle an zu schreien und bevor ich es wegziehen konnte, kam Conehead ganz nah ran und rief: „You dirty whore!“

„Was war denn das?!“ fragte Ella.

„Nichts, mein Schatz. Ich ruf dich später noch mal an!“ sagte ich und legte wieder auf.

„Du blödes Arschloch!“ sagte ich zu Conehead.

„Ich will deine Gitarre kaufen“ meinte er nur ungerührt „wie viel willst du dafür?“

„Fuck off! Die ist unverkäuflich!“ antwortete ich.

„Dann lass uns tauschen! Ich habe eine sehr schöne Gibson zuhause.“

„No sir, ich gebe sie nicht her!“

Dann kam der Berkeeper und lud mich für den morgigen Abend ein. Es sollte ein sehr guter singer-songwriter spielen und ob ich nicht Lust hätte mit zu machen. Drinks are for free! Ich sagte zu und verabschiedete mich von der Meute. Mit drei pints intus ging ich lachend über die Brücke zurück zum Campingplatz, legte mich in mein Zelt und schlief bis zum Abend.

Es war Samstag Abend und ich war gespannt, wie das Nachtleben in Wexford wohl aussehen würde. Zum x-ten Mal an diesem Tag ging ich mit meiner Gitarre in der Hand über die Brücke und genoss dabei den Sonnenuntergang. Es war gerade Ebbe und kleinere Boote lagen am Ufer im Schlick. Die Möwen kreisten über mir. Ich fühlte mich frei und unbeschwert. Ich lief die Mainstreet hoch zur St Iberius Church und setzte mich direkt davor auf eine Bank, packte meine Gitarre aus und begann zu spielen. Ich blieb dort bis Mitternacht. Es war nicht viel los aber die Leute, die vorbeikamen gaben Geld. Irgendwann tauchte ein junger Typ auf, muss wohl so um die 18 Jahre alt gewesen sein. Er hatte schon einige pints getrunken und wollte unbedingt mit mir zusammen singen. Er machte auch einen auf Animateur, weil er jedem der vorbeiging oder mit dem Auto vorbeifuhr zurief „Kommt rüber und hört euch das an. Der Mann hat Klasse!“ Dann kamen auch zwei junge Mädels und gesellten sich zu uns. Mit einer davon fing er ein Techtelmechtel an. Sie umarmten und küssten sich leidenschaftlich. Ich war fasziniert. Es erinnerte mich an meine Jugend. Bald verabschiedeten sie sich und wünschten mir alles Gute. Auch ich machte mich wieder auf den Rückweg und ging an der Undertaker Bar vorbei. Drinnen spielte eine Rockband, doch war ich zu müde um rein zu gehen. Auf der Brücke leuchteten die Straßenlaternen. Ich dachte, das ist also Irland, welches mir immer beschrieben wurde als das Land der freundlichen Menschen und der Musik. Und ich bin mittendrin. Zurück auf dem Campingplatz legte mich in mein Zelt und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen wurde ich von einer strahlenden Sonne begrüßt, die direkt in mein Zelt schien. Ich schlug die Zeltplane auf und vor mir lag das glitzernde Wasser der Irischen See. Ich musste die Augen zusammenkneifen. Weit draußen sah ich Segelboote. Der Himmel war wolkenlos und strahlend blau. Es war der schönste Morgen seit meiner Ankunft in Irland. Ich vermisste Ella. Zu gerne hätte ich sie bei mir gehabt.Auf dem Gelände des Campingplatzes gab es ein kleines Bistro und ich machte mich auf dem Weg um zu Frühstücken. Draußen saßen zwei Damen, die mich freundlich begrüßten. Ich hatte einen Bärenhunger und fragte ob ich nicht ein irish breakfast haben könnte. Aber natürlich, meinte die eine und ging in die Küche. Vorher bekam ich noch eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker. Ich saß draußen und sah mich um. Es war Sonntag und nicht viel los. Auch die Stadt lag ruhig und verschlafen auf der anderen Seite des Flusses. Ich überlegte gerade ob es sich wohl lohnen würde heute zu spielen, als auch schon mein Frühstück kam. Das traditionelle irish breakfast besteht aus gebratenen Spiegeleiern, Speck, Schweinewürstchen, Kartoffelpuffern, weißen Bohnen, Weißwurst, Blutwurst, gebackenen Champignons und Tomaten. Dazu gibt es noch weißen Toast und Sodabrot mit Butter und Marmelade. Mit einfachen Worten: es macht das Mittagessen überflüssig. Manchmal sogar auch das Abendessen. Ich schlug zu und aß alles auf. Und wenn ich sage alles, meine ich auch alles, denn am Schluss war nichts mehr übrig. Ich klaubte sogar noch die letzten Krümel des Sodabrotes aus dem Körbchen. Hinterher bestellte ich einen gedeckten Apfelkuchen und eine zweite Tasse Kaffee.

„Na, da war wohl jemand ganz schön ausgehungert. Was darf es denn noch sein?“ fragte die Bedienung.

„Vielen Dank aber ich bin im Moment glücklich und zufrieden! Vielleicht einen frisch gepressten Orangensaft?“ antwortete ich.

Wir kamen schnell ins Gespräch. Ihr Name war Mary. Sie muss wohl so um die 40 gewesen sein, hatte eine rundliche Figur, ein hübsches, freundliches Gesicht und strahlend blaue Augen. Ihr mittellanges, blondes Haar war zu einem Zopf zusammengebunden und sie trug eine Schürze. Ich betrachtete ihre Hände. Sie hatte die typischen Hände einer Frau, die es gewohnt war in der Küche und im Haushalt zu arbeiten: kurze, saubere Fingernägel, die Haut vom Wasser etwas ausgetrocknet und leicht geschwollene Finger. Mir fiel auch auf, dass sie keinen Ehering trug.Nachdem sich ihre Freundin verabschiedet hatte, war ich der einzige Gast und Mary setzte sich kurzerhand zu mir an den Tisch. Manchmal überrascht es mich auch heute noch wie einfach es ist mit den Iren ins Gespräch zu kommen. Es fängt an mit einem hello, how are you? Man redet über dies und jenes. Vor allem redet man jedoch übers Wetter. Das kurze Gespräch wird dann mit einem Witz oder ähnlichem beendet. Mit einem have a nice day geht dann jeder seines Weges. In Deutschland nennt man das leichte Konversation. Die Iren nennen es a nice chat, eine nette Art Hallo zu sagen oder Leute kennen zu lernen.

Iren sind sehr gesellig und neugierig. Wenn sie Zeit haben, kann man sich stundenlang mit ihnen unterhalten. Mary war zwar verheiratet, lebte jedoch von ihrem Mann getrennt. Sie hatte einen Sohn, der noch zur Schule ging. Um über die Runden zu kommen arbeitete sie am Wochenende auf dem Camping-Platz. Sonst hatte sie einen Job als Putzfrau. Nebenbei bekam sie noch Sozialhilfe vom Staat. Von ihrem Mann bekam sie nichts.

Ich erzählte ihr von meiner Familie, warum ich nach Irland kam und was ich vorhatte. Sie gab mir ein paar Tipps. Ich sollte unbedingt nach Cork gehen. Wexford wäre zwar ganz schön aber langweilig. Dagegen sei Cork eine Metropole für Musiker und Künstler. Gerade jetzt liefen Vorbereitungen für das nächste Jahr, wo Cork als die Kulturhauptstadt Europas gefeiert werden würde. Ich könnte dort als Straßenmusiker bestimmt viel Geld verdienen.Es wurde mittlerweile 12.00 Uhr und plötzlich tauchte Conehead auf. Er wollte wissen was auf der Speisekarte stand. Ich rief „Hey Conehead!“ und winkte ihm zu. Er sah mich an, als hätte er mich vorher noch nie gesehen. Da wurde mir klar, dass er sich überhaupt nicht mehr an mich erinnern konnte! Musste also ganz schön dicht gewesen sein. Er blieb dann auch nicht und ging ohne sich zu verabschieden. Soviel dazu, dachte ich.

Gegen 14.00 Uhr schloss Mary ab. Sie hatte eine Stunde Mittagspause und sagte, ich könnte ruhig noch da bleiben. In der Stadt wäre heute eh nichts los.

„Ist es hier immer so ruhig?“ fragte ich.

„Normalerweise schon. Nur wenn ein Spiel oder eine Veranstaltung stattfindet, tanzt hier mal der Bär“ meinet sie.

Sie wollte wissen wie es in Deutschland sei und ich erzählte ihr von meinem Leben als Straßenmusiker, von meiner Familie, von der Gegend in der wir lebten. Sie hörte aufmerksam zu. Auf dem Tisch stand eine volle Karaffe Eistee, die sie immer wieder nachfüllte. Das ging so weiter bis ungefähr 17.00 Uhr. Zwischendurch kam mal ein Gast vom Camping-Platz. Irgendwann verspürte ich den Drang mich zu bewegen und fragte wo man denn hier schön spazieren gehen könnte.

„Einfach links den Strand runter. Dann kommst du irgendwann mal in ein Naturschutzgebiet“ antwortete sie.

Wir verabschiedeten uns. Ich habe Mary nie wieder gesehen. Obwohl es nur eine flüchtige Bekanntschaft war, denke ich trotzdem noch ab und zu and sie und frage mich wie es ihr heute wohl geht. Ich bin seitdem auch nicht wieder in Wexford gewesen.

Das Wetter im Süd-Osten ist für Irland relativ untypisch. Im Sommer ist das Klima beständiger als im Rest des Landes. Die Tage sind angenehm warm, jedoch niemals zu heiß. Die Regenwahrscheinlichkeit ist dort im Sommer am geringsten. Wer einen sonnigen Sommerurlaub in Irland genießen möchte, sollte also in den Süd-Osten fahren. Ich ging zwei Stunden spazieren. Zuerst lief ich den Strand entlang, dann über Wiesen und Felder, wo Kühe und Schafe grasten. Hier und da sah ich ein Schild Private Property - keep out! (Privatgelände – Zutritt verboten!). Der Weg war mehr oder weniger fest vorgegeben. Es war nicht möglich einfach mal so davon abzuweichen. Entweder man lief vorwärts oder man ging wieder zurück. Irgendwann kam ich in ein Vogelschutzgebiet. Das Gelände war umzäunt. Da standen Tische und Bänke, es gab einen kleinen See mit Enten und Schwänen, Schilder wo erklärt wurde welche Vogelarten dort lebten. Alles sehr überschaubar und langweilig. Ich ging den gleichen Weg wieder zurück. Auf dem Campingplatz nahm ich die Iso-Matte und meinen Schlafsack und legte mich vors Zelt. Bald war ich eingeschlafen.

Als ich aufwachte war es schon fast dunkel. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass ich über zwei Stunden geschlafen hatte. Trotzdem hatte ich noch mal soviel Zeit bis ich in den Pub gehen wollte. Vor 22.00 Uhr lief dort eh nichts. Ich kramte mein Tagebuch hervor und begann zu schreiben. Als das erledigt war sah ich mir die Photos auf der Digitalkamera an. Ich war erst drei Tage in Irland und hatte schon jede Menge Bilder. Da brauche ich bald eine neue Speicherkarte, dachte ich mir. Danach kramte ich mein Handy hervor und rief Ella an. Ich erzählte vom heutigen Tag und was noch alles bevorsteht. Lange konnten wir uns nicht unterhalten, wäre sonst zu teuer geworden. Abends vermisste ich sie am meisten! Es gab manchmal Momente, da wäre ich am liebsten sofort nach Hause gefahren. Doch ich war erst am Anfang meiner Reise und aufgeben ging auf keinen Fall! Außerdem war es Tagsüber gar nicht so schlimm. Ich war ja nicht nur zum Vergnügen hier, sondern musste zusehen dass auch etwas Bares rein kam.
Das alles ging mir durch den Kopf als ich vor dem Zelt saß und aufs Meer hinausblickte. Ganz weit draußen sah ich Lichter von Schiffen. Ella und ich waren zu dem Zeitpunkt seit 12 Jahren zusammen. Vor vier Jahren hatten wir am 1. Januar 2000 als das Milleniumsbrautpaar Hessens geheiratet. Eine Traumhochzeit, die wir im HR3 gewonnen hatten. Lange Geschichte. Wir haben zwei Töchter, Jana und Sarah. Seit 12 Jahren mehr oder weniger unzertrennlich, hatten wir schon viele Abenteuer zusammen erlebt. Wird schon Alter, dachte ich mir, das hältst du schon durch und bald bist du sowieso wieder zuhause. Hätte mir zu dem Zeitpunkt jemand gesagt, dass alles ganz anders kommen sollte, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht. Doch das Leben ist spannend.

Ich trabte dann wieder über die Brücke Richtung Pub. Dort hatte sich the man of the evening schon eingerichtet. Sein Name ist mir leider entfallen, weiß aber noch genau wie er aussah. Er hatte diesen typischenrockabilly-look: Elvis Frisur mit der Tolle, kariertes Hemd, Levis Jeans mit Aufschlag und biker-boots. Wir stellten uns vor und redeten über dies und jenes. Danach stöpselte ich meine Gitarre ein und los ging’s. Der Laden war gut besucht und die Stimmung ausgelassen. Ich fühlte mich sofort wohl. Rockabilly spielte u.a. Songs von Neil Young, Bob Dylan, Bob Seeger. Ich begleitete ihn, spielte hier und da ein Solo und sang die zweite Stimme. Die Leute fanden es gut und belohnten uns mit Applaus. Ich dachte, wenn das hier immer so läuft bin ich endlich im Paradies angekommen.



Sonntag, 20. Februar 2011

Musik: Irland I

Travels


Auszüge aus meinem (noch unvollendetem) Buch:

Frankfurt, Hanauer Landstraße
Es muss ein Freitag- oder Samstagabend gewesen sein, als ich im Mai 2004 viel zu spät zu einem Auftritt in den Irish Pub nach Sachsenhausen fuhr. Ich war total gestresst und in Gedanken. Die ganze Woche lief es schlecht mit der Straßenmusik, ich hatte kaum was verdient. Am Wochenende davor hatte ich einen Auftritt im Irish Pub Hofheim. Jedenfalls war es so ausgemacht. Als ich dort ankam, hatte bereits eine andere Band ihr Equipment schon aufgebaut. Der Manager hatte aus Versehen zwei acts für einen Abend gebucht. Als ich ihn darauf hinwies, dass mein gig schon Monate vorher ausgemacht war, zuckte er einfach nur mit den Schultern. Eine Entschädigung wollte er mir auch nicht bezahlen. Schließlich waren es hin und zurück 150 Kilometer, die ich wegen nichts fahren musste. Er sagte nur, da kann man nichts machen. Daraufhin hätte ich ihm eine verpasst, wenn nicht eine der Bedienungen dazwischen gegangen wäre! Er schrie irgendwas von einem Baseballschläger und ich schrie, er solle sich das Teil da hinstecken, wo die Sonne niemals hin scheint. Danach fuhr ich wieder nachhause.Das alles ging mir durch den Kopf, als ich mit 90 km/h die Hanauer Landstraße hoch bretterte. Kurz vor dem Radsweg-Kreisel wurde ich plötzlich von einem Infrarot Blitz geblendet. Ich wusste sofort was los war, schaute auf den Tacho und dachte mir „Scheiße!“. Mein zweiter Gedanke war „Das wird teuer!“. Mein dritter Gedanke „Ich verliere den Führerschein!“. Genau in dieser Reihenfolge.
So war es dann auch. Nach zwei Wochen bekam ich den Bußgeldbescheid: über 180 Euro, drei Punkte in Flensburg und einen Monat Führerscheinentzug! Das einzig Gute daran war, dass ich mir den Monat aussuchen konnte. Was mache ich denn ohne Führerschein? Die Antwort lag auf der Hand: reisen! Und zwar genau dorthin, wo ich mit Musik Geld verdienen könnte. Ich wollte schon immer mal nach Irland. Ich hatte sogar schon mal ein Flugticket dorthin. Im letzten Moment überlegte ich es mir anders, gab es wieder zurück und fuhr stattdessen nach Portugal. Freunde rieten mir nach Irland zu gehen. „Das ist genau das Richtige für dich, da wirst du dich wohl fühlen“ hieß es. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen.
Im Juni gab ich meinen Führerschein ab. Ich besorgte mir ein Flugticket nach Dublin, packte meine Sachen und fuhr mit Ella und ihren Eltern zum Flughafen. In der Tasche hatte ich 400 Euro. Mehr war nicht drin. Ehrlichgesagt hatte ich überhaupt keine Lust ohne meine Familie wegzugehen. Doch ein Familienurlaub war aus rein finanziellen Gründen einfach nicht möglich. Es gibt schicksalhafte Momente im Leben, die einem erst viel später klar werden. An diesem Tag spürte ich nichts davon. Ich wollte in vier Wochen wieder zuhause sein, mit reichlich Geld, das uns im nächsten Monat über die Runden bringen würde. Ella war wunderschön. Sie hatte eine neue Frisur. Wir umarmten und küssten uns. Zum Abschied sagte sie: „Komm wieder!“ „Klar komm ich wieder!“ erwiderte ich. Ich kam auch wieder. Aber es sollte alles anders werden.


Dublin
Wenn man das erste Mal irgendwo hingeht, wo man vorher noch nicht war, ist man gespannt wie es wohl dort aussieht. Man fragt sich, was da einen erwartet und wie man dort zurechtkommt. Erwartungshaltungen hatte ich keine. Ich ließ die ganze Sache einfach auf mich zukommen. Bessergesagt ging ich auf die Sache zu, denn kein Mensch wartete dort auf mich. Ich kannte niemanden in Irland. Anlaufstation war die günstigste Jugendherberge im Zentrum Dublins. Den Namen habe ich vergessen. Ich weiß nur noch, dass ein Bett 17 Euro die Nacht kosten sollte. Nach der Landung fuhr ich mit dem Shuttle-Bus vom Flughafen in die Innenstadt. Das erste was mir auffiel waren die dicken Regenwolken und die besonderen Lichtverhältnisse. Am Spätnachmittag war es schon ziemlich dunkel, nur hier und da strahlte die Sonne durch die Wolken und vereinzelte Häuser leuchteten in bunten Farben. Im Zentrum angekommen fing es an zu regnen. Kein Problem. Ich hatte ja meinen großen Regenumhang dabei und streifte ihn einfach über. Als ich mich dann in einem Schaufenster sah, bekam ich einen Schreck. Mit einem großen Rucksack auf dem Rücken, einem kleineren auf der Brust und dem Regenumhang darüber sah ich aus wie der Glöckner von Notre Dame! Quasimodo mit einem Gitarrenkoffer in der Hand. Es war mir peinlich. Außerdem fing ich an zu schwitzen. Als ich dann schweißgebadet vor dem Eingang der Jugendherberge stand, konnte ich endlich den Umhang ablegen. Ich würde ihn auch nicht mehr tragen, jedenfalls nicht so.
An der Rezeption saß ein junger Ire. Ich sagte ihm, ich bräuchte ein Bett für die Nacht und würde eventuell über das Wochenende bleiben. Er sagte, das einzig verfügbare Bett gäbe es in einem dorm (Schlafquartier) mit fünf weiteren Gästen und der Preis wäre 25 Euro pro Übernachtung. Ich wies ihn daraufhin, in meinem Reiseführer sei von 17 Euro die Rede. Das beeindruckte ihn überhaupt nicht. Ich überlegte nur kurz. Es war Donnerstag und wenn ich erst am Montag wieder aus Dublin raus wollte, müsste ich also insgesammt 100 Euro nur für Logis bezahlen. Draußen goss es in Strömen und ich hatte wirklich keine Lust mehr einen auf Quasimodo zu machen, zumal ich auch nicht wusste wohin! Also bezahlte ich für eine Nacht und ging hoch aufs Zimmer.
Nachdem ich meine Sachen untergestellt hatte machte ich mich auf den Weg zur Grafton Street. Laut Reiseführer war das die berühmteste Straße für Straßenmusiker in Dublin. Weil ich am nächsten Tag gleich loslegen wollte, fand ich es ganz sinnvoll zu erkunden wie man dort hinkommt. Der Regen hatte aufgehört und ich war gut drauf. Dublin wirkte auf mich wie jede andere Großstadt: laut und hektisch. Auf den ersten Blick fand ich es dort auch nicht besonders schön. Ich vermisste diesen besonderen Flair, den manche Großstädte haben wie z.B. London, Amsterdam oder Berlin. Das geht mir auch heute noch so. Damit will ich jedoch nicht sagen, Dublin wäre hässlich. Wenn mich jemand fragen würde „Wie findest du Dublin?“ wäre meine Antwort „Neutral“.
Ich war nicht lange unterwegs, denn ich war müde und hatte Hunger. Auf dem Rückweg kam ich an einer anderen Jugendherberge vorbei und wollte dort nach dem Preis fragen. Doch die nahmen wegen Überfüllung überhaupt niemanden mehr auf. Zurück auf meinem Zimmer traf ich auf die anderen Gäste: Frauen und Männer. Ich war überrascht, denn in einem streng katholischen Land trennt man normalerweise Schlafquartiere nach Männlein und Weiblein. So habe ich es zumindest in Spanien und sogar auch in Deutschland erlebt. Es gab drei Etagenbetten, ein Waschbecken und ein Klo. Die Gemeinschaftsduschen befand sich außerhalb des Zimmers den Gang runter. Nachdem ich eine Kleinigkeit gegessen hatte, legte ich mich ins Bett und schlief sofort ein. Mitten in der Nacht flog plötzlich die Tür auf und das Licht ging an! Im Zimmer stand ein junger Typ und glotzte. Ich war ziemlich sauer und sagte ihm, er solle sofort das Licht ausmachen! „Dann sehe ich doch nichts mehr!“ meinte er. „Das ist mir egal und wenn du jetzt nicht gleich das Licht ausmachst gibt es Ärger!“ erwiderte ich.Er putzte sich dann die Zähne im Dunkeln unter dem Licht seiner Kopflampe.
Am nächsten Morgen schnappte ich meine Gitarre und ab ging’s zur Grafton Street. Ich war ausgeschlafen, hatte ein gutes Frühstück und fühlte mich hervorragend. Das Wetter war warm und es schien die Sonne. Die besten Voraussetzungen für Straßenmusik. Ich hatte meine Dobro dabei, eine Blechgitarre, speziell gemacht für Straßenmusik. Laut aber schwer!Als ich so gegen 10.00 Uhr in der Grafton Street ankam, standen dort die Lieferwagen Schlange. Mir fiel auch auf, dass die Geschäfte keine Vordächer hatten so wie in den Fußgängerzonen bei uns in Deutschland. Wäre bei dem Wetter hier eigentlich sinnvoll, dachte ich. Es dauerte nicht lange und ich fand einen guten Platz, packte die Dobro aus und legte los. Die erste Nummer, die ich in Irland spielte war Wild World von Cat Stevens. Es dauerte auch nicht lange und ich bekam meinen ersten Euro von einer sehr netten Dame, die auch sofort wissen wollte, woher ich komme, wie ich heiße und wo es hingeht. So gegen 12.00 Uhr waren die Lieferwagen alle weg und es kamen mehr Leute. Es kamen auch mehr Straßenmusiker. Darunter waren auch Kinder. Jeder einzelne hatte einen Eimer dabei, stellte sich irgendwo hin, den Eimer vor sich auf den Boden und begann zu singen. Manche waren so laut, dass einem die Ohren weh taten. So wie der genau mir gegenüber. Ich suchte mir einen anderen Platz. Doch es wurde immer enger. An jeder Ecke stand mittlerweile ein Straßenmucker oder ein kleiner Schreihals mit Eimer!
So gegen 13.00 Uhr ging ich in ein Cafe. Als ich die Preise sah, wäre ich am liebsten wieder gegangen. Mir schwante jedoch, dass es woanders nicht unbedingt billiger sein würde, eher teurer. Ich bestellte ein Sandwich und eine Tasse Kaffee für rund 10 Euro. Draußen wurde es immer voller und vor allem lauter! Ungefähr alle zehn Meter spielte jetzt ein Straßenmucker. Da waren Puppenspieler, lebende Statuen, Pantomime Künstler, Theaterschauspieler, Straßenverkäufer, Bettler, Flugzettelausteiler. Ich kam mir vor wie auf einem Jahrmarkt. Nur die Eimer-Kids waren verschwunden. Ich dachte, vielleicht gibt es irgendwo eine ruhigere Fußgängerzone, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Also lief ich weiter, raus aus der Grafton Street Richtung O’Connel Bridge, auf die andere Seite des Liffey, die O’Connel Street hoch zum Spire of Dublin.
Spire bedeutet u.a. auch Spitze. Und genauso sieht dieses Monument auch aus, wie eine riesige Nadel, die in den Himmel ragt. Der Spire of Dublin wurde im Jahr 2003 gebaut, besteht aus Edelstahl und ist 121,2 Meter hoch. Die konische Form hat an der Basis einen Durchmesser von 3 Metern und verjüngt sich zur Spitze auf 15 cm. Bei Tag reflektiert es das Licht in schillernden Farben. In der Abenddämmerung verschmilzt es mit dem Himmel und ist aus der Ferne betrachtet fast unsichtbar. Nachts wird es dann von unten angestrahlt und ragt wie ein leuchtendes Fanal über der City, like a Monument of light – wie ein Monument des Lichts. Ein faszinierendes Gebilde mit einigen Spitznamen, darunter auch Stiletto of the Ghetto.
Von dort aus geht es in die Henry Street, eine Einkaufsmeile mit Fußgängerzonencharkter. Nicht unbedingt ruhiger aber anders als die Grafton Street. Es gibt dort nämlich keine Straßenmusiker und das kam mir gerade Recht. Ich packte also meine Klampfe wieder aus und spielte ungefähr zwanzig Minuten als plötzlich ein Garda Polizist auftaucht. Es wäre hier verboten Straßenmusik zu machen, meinte er. Ich sollte in die Grafton Street gehen, das wäre genau der richtige Ort dafür. Also packte ich wieder ein und überlegte wohin. Da fiel mir Temple Bar ein. Ich ging also wieder den Weg zurück über den River Liffey und dann rechts am Fluss entlang.
Temple Bar erinnerte mich an Frankfurt Sachsenhausen. Auch hier gibt es kleine, schmale Gassen mit alten Gebäuden aus dem 19.Jahrhundert. Ein Pub reiht sich an den nächsten. Das Ganze ist ein Anziehungspunkt für Touristen, zumal es auch als das kulturelle Zentrum Dublins angepriesen wird. Am frühen Nachmittag waren die Pubs zwar schon offen aber es war noch nichts los. Trotzdem packte ich wieder die Dobro aus, denn in den Gassen liefen ja genug Leute rum. Kaum fing ich an zu spielen, tauchte plötzlich der Manager des Pubs vor dem ich stand auf und schaute mich böse an. Das hier wäre kein Platz zum busken (Straßenmusik), sagte er. Ich fragte ihn dann geradeheraus, ob ich nicht wenigsten eine Stunde hier stehen bleiben könnte. Immerhin wäre ja noch überhaupt nichts los und es würde auch keinen stören. Da wurde der Typ total nett und sagte, das ginge in Ordnung. Wenigstens etwas, dachte ich und machte weiter. Es dauerte nicht lange, da stand auf einmal wie aus dem nichts wieder so ein Eimerkind direkt mir gegenüber und fing an zu plärren! Ich dachte, das darf doch wohl nicht wahr sein! Hinter mir kam der Manager mit einem seiner bouncer (Rausschmeißer) wieder zum Vorschein. Ich hörte gerade noch wie der bouncer fragte, was ich denn hier soll. Das wär schon in Ordnung, meinte der Chef, es wäre ja nur für eine Stunde. Das Eimerkind beachteten sie überhaupt nicht, obwohl es sich die Seele aus dem Leib schrie. Ich sollte erst viel später erfahren, dass diese Plagegeister Kinder der Irisch traveller-comunity waren.
Ich zog die Stunde durch. Der kleine Plagegeist war auf einmal wieder verschwunden. Es wurde mittlerweile 15.00 Uhr und ich musste mir einen neuen Platz suchen. Doch diesmal war ich ratlos. Ich hatte überhaupt keinen Ahnung wohin ich gehen sollte! Zum x-ten Male lief ich über die O’Connel Bridge. Ich wollte zurück in die Jugendherberge und mir überlegen was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Vielleicht könnte mir ja irgendjemand dort einen Tipp geben, wo man sonst noch Straßenmusik machen könnte. Ich war gerade auf halben Weg Richtung Spire, als ich plötzlich vor dem Eingang eines großen Einkaufszentrums stehen blieb. Da war jede Menge los. Leute liefen mit Einkaufstüten die Treppe hoch und runter. Manche saßen auf der Treppe rum und ließen es sich gut gehen. Das ist genau die richtige Stelle, dachte ich. Komisch nur, dass mir die nicht früher aufgefallen war. Schließlich bin ich hier ein paarmal schon vorbeigelaufen. Ich setzte mich auf die Treppe, legte los und spielte bis 18.00 Uhr. Die Reaktion der Leute war grundsätzlich positiv. Es herrschte zwar keine Begeisterung aber es war auch niemand feindseelig mir gegenüber. Ich fühlte mich wohl. Vor uns brauste der Straßenverkehr, Leute hatten Feierabend und gingen nach Hause. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Ich hatte zwar Mühe mich in dieser Geräuschkulisse durchzusetzen, doch man ließ mich gewähren. Außerdem gab es keine Konkurrenz.
Zurück in der Jugendherberge ging ich erst mal zur Rezeption, um eine weitere Nacht zu buchen. Diesmal saß dort ein Inder oder Pakistani. Es war auf jeden Fall kein Ire. Ich sagte, ich würde gerne noch eine Nacht bleiben.„No problem“, meinte er, „das kostet 17 Euro“. Ich schaute verdutzt drein und sagte ihm, dass ich gestern für das gleiche Bett 25 Euro bezahlt hätte! Da fing er an zu grinsen und schüttelte den Kopf.
„Im dorm kostet jedes Bett 17 Euro, nicht mehr und nicht weniger“, erwiederte er.
Für ihn war die Sache damit erledigt. Ich ging hoch auf mein Zimmer und war stinksauer. Da hat mich dieser Typ gestern doch glatt übers Ohr gehauen! So eine verdammte Scheiße! Das nächste Mal lasse ich mir die Preisliste zeigen, dachte ich. Nochmal passiert mir das nicht! Ich setzte mich auf mein Bett und fing an das Geld zu zählen, das ich den ganzen Tag über verdient hatte. Es waren genau 20 Euro! Ich wunderte mich nicht. Das war Typisch für eine Großstadt. Viel Hektik und Stress, dafür wenig Geld. Trotzdem war es schon krass. Da bin ich den ganzen Tag mit der schweren Dobro durch die Gegend gelaufen und habe mir den Arsch abgespielt für 20 Euro! Das kann’s ja wohl nicht sein, dachte ich. Wenn ich noch länger hier bleibe, gebe ich mehr Geld aus als ich verdiene! Da wurde mir klar, dass ich am nächsten Tag Dublin verlassen würde. Ich nahm meine Landkarte und suchte mein nächstes Ziel. Es war Wexford.

Freitag, 18. Februar 2011

Du isst das jetzt auf ...

... sonst bekommst du was hinters andere Ohr! So oder so ähnlich könnte man es dem Obdachlosen in Co.Kildare gesagt haben, nachdem er von einer Gang fast zu tode geprügelt wurde. Dabei rissen sie ihm ein Ohr ab und zwangen ihn es zu essen!

In unserem Bekanntenkreis wurde letztens ein Pole aus seinem Auto (mit polnischen Kennzeichen) gezerrt und zusammengeschlagen. Am hellichten Tag mitten in Ennis! Seine Freundin wiederum hat man als Bedienung in einem bekannten Restaurant fristlos gekündigt. Vorwurf: Diebstahl aus der Trinkgeldkasse! Natürlich hatte sie nichts geklaut. Man wollte sie einfach nur schnell loswerden! Als sie dann per Anwalt die Aufnahmen der Videoüberwachungskameras zu sehen forderte, weigerte sich das Restaurantmanagement diese heraus zu rücken. Beide verlassen demnächst das Land und gehen zurück nach Polen.

Der Politiker Ned O'Keefe warnt vor einem Militärputsch in Irland! Zitat:

The situation has become so bad that an Army coup is a real possibility. Our political system is going to fail further. The two Brians have made a right mess of the country and I see the real possibility of an Army coup ...


Meiner Meinung nach eine reale Bedrohung wenn nicht folgende Fragen wären:

a. Welche Armee und mit welchen Mitteln?
b. Wer überwacht dann die Geldtransporte der Banken?
c. Könnten die Soldaten sowas überhaupt durchziehen, nach einer durchzechten Nacht im örtlichen Pub und dem Hangover am nächsten Tag?

Ich bezweifle es und glaube erst daran wenn das auswärtige Amt in Germanistan vor Reisen nach Irland warnt.

Auf jeden Fall bleibt es spannend im Land der Irren, zumal Neuwahlen anstehen und sogut wie niemand weiß, wen man wählen soll, da alle Volksvertreter mehr oder weniger unter einer Decke stecken.

Sonntag, 13. Februar 2011

True Love


Habe dieses Bild heute bei Facebook gefunden. Ich kann nicht aufhören es zu betrachten. Für mich stellt es auf bewegende Art und Weise folgendes dar: Wahre Liebe und Freundschaft!