

Die Woche nach Halloween war noch bekloppter als Halloween!
Dienstag: Stehe in der AIB mit meinem unkomplettiertem Kleingeld (den Unterschied zwischen komplettiertem und unkomplettiertem Kleingeld erklärte ich bereits
hier), als mich die Dame am Schalter zu sich winkt und sagt:
"Sie erinnern sich, dass ich ihnen letztes Mal €1.40 und da davor €1.25 für ihr Kleingeld berechnet habe?"
Ich nicke und wundere mich darüber, dass sie das noch so genau weiß. Ich mach mich schon darauf gefasst, was als nächstes kommt als sie sagt: "Nun, wir schulden ihnen €2.65, da ich ihnen nichts hätte berechnen dürfen! Allerdings müssen sie in Zukunft ihr Kleingeld woanders hinbringen. Oder sie eröffnen ein Konto bei uns ..."
Für den Bruchteil einer Sekunde knirscht es in meinem Hirn. Ich denke, hier ist doch was faul und sage: "Schön ... und was ist mit dem Geld das sie mir in den letzten sieben Jahren dafür berechnet haben?"
Sie schaut ratlos und sagt: "Ich hole unseren Abteilungsleiter, bin gleich wieder da."
Ich warte und frage mich, was ist denn das wieder für ein
bullshit?! Seit sieben Jahren wurde mir für das Zählen meines unkomlettierten Kleingelds was berechnet, nicht nur bei der AIB, sondern auch bei der Irish National. Wo ist jetzt das
fucking Problem?!
Kommt die Vorgesetzte, lächelt mich an und wiederholt genau das, was ich vorher schon zu hören bekam. Deshalb stelle ich genau die gleiche Frage nochmal.
Sie sagt: "Ehrlich gesagt weiß ich das nicht aber die Zeiten ändern sich. Früher war es warscheinlich ok, dass wir ihnen was berechnet haben, heute nicht mehr."
Und genauso liebe Leute, funktioniert das Bankgeschäft in Irrland: früher war es ok, dass man die Leute über den Tisch gezogen hat, heute nicht mehr! Naja, jedenfalls nicht mehr so oft wie früher, denn dafür fehlt den Leuten schlichtweg das Geld. Dafür werden die Schulden heute umstrukturiert und neue, teilweise höhere Zinsen berechnet. Nicht zum ersten Mal frage ich mich, warum ich kein Bankräuber geworden bin!?
Obwohl überall Kleingeld rumliegt schreibt mir die Dame am Schalter einen Scheck in Höhe von €2.65 aus. Auf dem Weg nach draußen zerreiße ich das Teil.
10 Minuten später stehe ich in meiner Bank und händige einer anderen, netten Dame mein Kleingeld aus, mir wohl bewusst, dass sie wahrscheinlich die unvollständigen Päckchen nicht annehmen wird. Doch siehe da, sie nimmt sie! Zuerst legt sie die die vollständigen Päckchen auf die Waage und schreibt sich die Beträge auf. Danach zählt sie das Kleingeld der unvollständigen Päckchen ... per Hand! Als ich sie frage warum sie diese nicht auch auf die Waage legt, antwortet sie: "Dafür ist die Waage nicht akurat genug." Dabei fallen ihr beim Zählen immer wieder einzelne Münzen auf den Boden, die sie einfach liegen lässt! Soviel zu akurat ...
Nachdem ich dann meine Rechnungen bezahle, kann ich endlich gehen. Die ganze Choose dauerte ung. eine Stunde. In Deutschland schmeißt man das komplette Kleingeld in ein Zählwerk und gut is'. Obwohl es hier auch solche Zählwerke gibt, hat nicht jedes Bankinstitut eins. Dafür haben sie Geldwaagen, aber bei meiner Bank funktioniert noch nicht mal diese akurat. AIB hat ein Zählwerk und ich überlege mir ernsthaft, ob ich nicht alleine deshalb dort ein Konto eröffnen soll.
Donnerstag: Als ich gegen 16.00 Uhr mit meinen vier Hundis aus der Haustür gehe, kommen uns die vier Jack Russel Mischlinge von gegenüber kläffend entgegen. Während sie uns kreisend umlaufen drehen meine Köter durch: Mika hat sich in seiner Leine verfangen und ich schaff's gerade noch so ihn zu entwirren, ohne ihn zu strangulieren!
Die vier Russels gehören einer Traveller-Familie und sind neu hier in der Gegend. Vor kurzem gab es da zwei andere von der Sorte, die aber über Nacht verschwanden. Während Herrchen noch im Knast saß, suchte das Frauchen nach ihnen, blieb aber erfolglos. Die zwei Hundis waren weg. Als Herrchen aus dem Knast entlassen wurde, besorgte er kurzerhand vier neue. Genauso wie die davor, leben diese Tag und Nacht draußen bei Kälte, Wind und Regen.
Während uns also die vier Russels umkreisen, steht Herrchen ein paar Meter weiter und pfeift vor sich hin. Ich ziehe meine vier Kandidaten mit Gewalt und einhändig hinter mir her. Sie hängen an einer Viererleine. In meiner linken Hand habe ich eine Ballschleuder und eine Gallone Wasser fürs Pferd. Auf der Wiese lasse ich alle Vier von der Leine und atme erst Mal tief durch!
Das Pferdchen steht ung. hundert Meter weiter und wiehert uns freudig entgegen. Plötzlich sehe ich Bewegung im hohen Gras. Katzen, denk ich mir. Auch meine Hundis haben sie erspäht und gehen zum Angriff über. Die Katzen sind überraschenderweise nicht schnell genug. Als sie eingeholt werden fangen sie an zu kläffen und zu jaulen. Ich renne so schnell ich kann und als ich näher komme sehe ich was los ist: die Katzen entpuppen sich als kleine Hunde! Mika, unser Satfford-Bullterrier ist außer sich! Hätte er keinen Maulkorb angehabt, wäre von den beiden Kleinen nicht viel übrig geblieben! Ich muss ihn wegziehen und verpasse ihm einen Schlag, damit er sich beruhigt. Die beiden Kleinen, ein Yorkshire und ein Terriermischling kauern zitternd im Gras. Sie sind ganz allein hier unten, vom Besitzer weit und breit keine Spur.
Ich nehme beide auf den Arm. Sie sind klitzeklein, haben keine Halsbänder, der Yorkhire nicht älter als ein Jahr und Foxy gerade mal ein paar Monate. Meine vier Rabauken umkreisen uns kläffend und als wir beim Pferdchen ankommen, schnuppert dieses neugierig an dem was ich da im Arm halte. Dabei beist Yorkshire dem Pferdchen in die Schnauze! Pferdchen geht auf die Hinterbeine hoch und ich werde fast von einem Vorderhuf erwischt. Alle sechs Hunde bellen jetz wie verrückt, das Pferdchen nimmt reißaus, meine Hunde hinterher! Ich steh da und schaue hinterher. Plötzlich kommen von oben drei Traveller-Kids runtergelaufen. Und auf einmal fällt mir ein, dass ich erst vor kurzem diese zusammen mit dem kleinen Foxy gesehen habe!
Ich brülle: "Sind das eure Hunde?!"
Es stellt sich jedoch heraus, sie sind es nicht, sondern gehören zu einer anderen Familie. Anscheinend wurden die Hündchen auf der Wiese ausgesetzt. So ganz nach dem Motto, irgendjemand wird sie schon mitnehmen. Als ich die Jungs bitte, die Hündchen zu übernehemen weigern sie sich zuerst, nehmen sie dann aber doch mit. Endlich kann ich mich um das Pferdchen und meine Hunde kümmern.
Viel später tut es mir dann leid. Um 23.00 Uhr im Schlafzimmerbett liegend, hören wir sie in der Ferne kläffen! Am nächsten Morgen finde ich bei Facebook Bilder gepostet vom
Ennis Dogpound. Es ist Foxy (siehe Bilder oben). Man fand ihn irgendwo, mitten in der Nacht. Von Yorkshire keine Spur ...
Was das Pferdchen angeht mache ich mir Sorgen. Die o.g. Traveller-Jungs kamen eines Tages und klopften an unsere Haustür. Sie fragten, ob ich nicht das Pferdchen kaufen wollte. Ich würde mich doch so gut darum kümmern und für €150 könnte ich es haben. Ich lehnte bab. Kurze Zeit später erzählte mir einer der Jungs, dass sie es wahrscheinlich zum Schlachter bringen würden, da es keiner haben wollte. Da würden sie wenigsten ein paar Euro dafür bekommen!
Auch Herrchen mit seinen vier Russels von gegenüber, machte mir ein Angebot: obwohl das Pferdchen ihm ja garnich gehört, wollte er €50 dafür!
Ich werde deshalb kommende Woche zum
Dogpound gehen und mit Frankie reden. Vielleicht hat er ja eine Idee. Nach einem halben Jahr ist mir das Pferdchen ans Herz gewachsen. Eigentlich betrachte ich es schon als meins. Aber was passiert wenn ich es den Travellern wirklich abkaufen sollte? Darüber will ich mit Frankie reden.
Als ich das alles einem irischen Bekannten erzählte meinte er folgendes: "Wie lange bist du schon hier? Sieben Jahre? Wenn du zwanzig jahre hier bist, wirst du nur noch über dich selber lachen!
Oh my, you aint seen nothin' yet!"