Sonntag, 13. Februar 2011

Hickies, Kilkee



Gestern Abend nach langer Zeit mal wieder ein Gig. Diesmal in Hickies, Kilkee. Albert, ein Freund in dessen Duo ich ab und zu mal aushelfe rief an und fragte, ob ich nicht Lust hätte mitzuspielen, da sein Duopartner Christian im Moment auf Tenerifa weilt. Obwohl ich überhaupt keine Lust mehr habe in Pubs aufzutreten, sagte ich zu. War ein schöner Abend, wie in alten Zeiten: die Leute sangen mit und gegen Ende war die Tanzfläche voll. Das schöne an der Sache: war für mich absolut stressfrei! Ich wurde abgeholt und hatte nur meine Gitarre dabei. Den Rest besorgte Albert.

Als wir am Schluss das Zeug ins Auto luden, hörte ich die Brandung. Vor dem Pub stehend schaut man die Straße runter und sieht den Atlantik! Da wurde mir mal wieder klar, wo wir hier leben ...

Sonntag, 6. Februar 2011

RIP Gary



Gary Moore, one of the greatest guitar-heroes of our time, has died in his sleep last night in Spain. He will be dearly missed! ABC-News article.

Freitag, 4. Februar 2011

Musik: Millenium



Die 9oer waren für mich die ereignisreichsten, kreativsten, interessantesten, schönsten Jahre meines Lebens. Nicht nur musikalisch gesehen. Es waren zehn abenteuerliche Jahre. Ella und ich trafen uns wieder. Sarah kam auf die Welt. Wir kauften uns einen Campingbus und fuhren jedes Jahr nach Frankreich, Spanien und Portugal. Wir zogen aufs Land in die Feldstraße 18. Ich fuhr Motorrad, spielte mit Dirty Thirty, lernte Jörg Fuhrmann und Ky Wolfe kennen. Ich war zuhause in Oberursel und Hofheim, hatte dort Freunde. Es waren verrückte Jahre mit knallharten Wintern und heißen Sommern. Wir waren glücklich!

Das alles änderte sich mehr oder weniger im Jahre 2000!

Als Ella und ich am 1. Januar 2000 heirateten und als hessisches Milleniumsbrautpaar gefeiert wurden, ahnten wir noch nicht, dass sich bald alles ändern würde. Es fing damit an, dass das Haus in der Feldstraße verkauft wurde und wir umziehen mussten. Wir blieben zwar im Ort, zogen jedoch in ein Haus dessen Mitbewohnerin uns das Leben schwer machte. Das war eine alte Oma, die Mutter unserer Vermieterin, die ständig an allem etwas auszusetzen hatte. Ich will niemandem etwas böses, doch als die Oma nach zwei Jahren den Löffel abgab, atmeten wir alle auf und ihre Tochter ebenso.

Dann fuhr ich meinen Campingbus zu Schrott. Danach kaufte ich den gleichen nochmal, der aber viel zu schnell den Geist aufgab.

Und irgendwann lief auf der Gass' auch nix mehr. Ich verdiente nicht genug. Rechnungen stapelten sich, Ella und ich stritten uns immer öfter und ich war verzweifelt! Eines Abends bei einer Dirty Thirty Probe klagte ich mein Leid und Heribert sagte folgendes:

"Mach doch eine Umschulung."

"Umschulung?! In was?!" fragte ich.

"Im IT-Sektor" (Heribert)

"Was bedeutet IT?" (ich)

"Informations Technolgie. Computer." (Heribert)

"Ich hab keine Ahnung von Computern!" (ich)

"Ei dann lernst du's!" (Heribert)

Ich ließ mir das Ganze durch den Kopf gehen. Am nächsten Tag rief ich Beate Krawitz, eine alte Bekannte im Arbeitsamt an. Wie der Zufall es so wollte war genau sie diejenige, die für Umschulungen im IT Bereich zuständig war. Und rein zufällig fing gerade ein neuer Kurs an. Sie schickte mich zum Aufnahmetest und eine Woche später hatte ich meine zweijährige Umschulungsmaßnahme in der Tasche! Um es kurz zu machen: ich hängte die Gitarre für zwei Jahre an den Nagel, lernte Webdesign und wurde ein Computer-Freak! Ich musste in die Berufschule und arbeitete in meinem Praktikum bei der Dresdner Bank in Frankfurt. Dort wollte ich eine Anstellung in der IT-Abteilung, bekam jedoch glücklicherweise keine. Als die Umschulung zu ende war arbeitete ich hier und da, merkte aber schnell, dass ich mit 39 nirgendwo einen richtigen Job bekommen würde.

Nach ung. drei Jahren nahm ich meine Gitarre und ging wieder in die Fußgängerzone. Doch jetzt hatte sich was verändert. Ich hatte mich verändert. Wenn man mir vorher gesagt hätte "Fahr doch mal den Computer runter" hätte ich gefragt "Runterfahren? Wohin denn?!" Jetzt arbeitete ich mit Photoshop, Dreamweaver, Flash und Freehand. Ich schraubte am Computer, surfte im Netz und fing an mit Cubase aufzunehmen. Doch das war nicht alles! Meine Einstellung hatte sich verändert. Ich konnte effizienter arbeiten, mich besser konzentrieren und Probleme strukturiert lösen. Ich hatte gelernt rationell zu denken und mich zu beherrschen!

Da sagte ich mir "Wenn du das jetzt alles kannst, dann kannst du auch erfolgreicher als Musiker arbeiten!" Die Frage die ich mir stellte war: Was muss ich jetzt machen?

Die Antwort kam in Form eines Anrufs. Am Telefon war Ann Thimmons, eine Irin, die zusammen mit ihrem Freund Miheal den Irish-Pub in Frankfurt/Bergen Enkheim führte. Sie fragte ob ich nicht Lust hätte bei ihnen zu spielen und ich sagte sofort zu. Ich spielte dort regelmäßig und durch Miheals Kontakte spielte ich bald in allen Irish-Pubs in Frankfurt, Offenbach, Hofheim und Hanau. Außerdem machte ich auch Karaoke. Es lief gut. Ich wollte mein Betätigungsfeld in einem 100 km Radius ausweiten. Irish-Pubs gab es mehr oder weniger überall. Ich hatte einen Plan.

Doch wie sagt man so schön: der Mensch denkt und Gott lenkt! Und genau das passierte an einem Abend im Jahre 2004!

Musik: Die 90er = Ky Wolfe


Bei dieser Produktion hat Ky im Studio mitgearbeitet. Der von ihm geschriebene Song "SOMEWHERE IN THE WORLD" wurde auch als Single und Maxi-Single veröffentlicht. Letzte VÖ war 12/2010 auf der BONEY X-MAS CD FELIZ NAVIDAD.

Als ich mal meinen Freund Romica in Berlin besuchte, lieh ich mir sein Roland VS-880 Digital Studio Workstation. Das ist ein relativ kleines portables Musikstudio auf digitaler Basis mit allem drum und dran. Romica hatte sich das Teil für ein Schweinegeld gekauft und seitdem kein einziges Mal benutzt. Es stand bei ihm nur als Staubfänger rum. Ich hatte früher ein wenig mit analogen Vierspur-Rekordern rumexperimentiert, hatte sonst aber überhaupt keinen Plan von der Materie. Ehrlichgesagt wusste ich zu der Zeit nicht mal was "digital" bedeutet, geschweige denn wie das ganze funktioniert.

Zuhause lag das Teil dann auch nur rum, bis ich mir einen Ruck gab, die Gebrauchsanweisung rauskramte und langsam loslegte. Ich kann jetzt nicht sagen, dass die Sonne gleich aufging. Ich musste mich erstmal Schritt für Schritt einarbeiten. Als ich aber kapierte was ich da hatte und welche Möglichkeiten sich mir boten, sah ich einen Lichtstreif am Horizont. Ich weiß noch wie ich mit der Gitarre in der Küche saß, auf dem Tisch das Roland und daneben das Handbuch. Ich war fasziniert von der Klarheit der Aufnahmen: gestochen scharf und sogut wie rauschfrei! Ich probierte verschiede Effekte und Equalizereinstellungen aus und machte overdubs. Es wurde immer besser und vor allem: interessanter!

Ich beschloss mir ein Musikstudio einzurichten.

Wir wohnten damals in einem kleinen Haus auf dem Lande. Viel Platz gab es nicht. Doch da war ein Raum, der als Abstellkammer diente und vom Hof aus zugänglich war. Ich machte dort klar Schiff und entdeckte dabei ein Loch im Boden. Die Holzdielen waren morsch und in der einen Ecke waren sie komplett weggerottet! Ich legte einfach eine Tür drüber und damit war die Sache geregelt. Ansonsten war der Raum recht ansprechend: ung. 10 qm groß, komplett mit Holz verkleidet und einem großen Fenster. Ich stellte zwei Biertische rein und schraubte zig Regale an die Wand.

Danach ging ich einkaufen!

Ich fuhr zum Musik-Service nach Aschaffenburg und kaufte alles was ich für ein gutes Homerecording-Studio brauchte: Monitore, Mikrofone, Stative, einen Synthesizer, Gitarrenprozessoren usw. Außerdem kaufte ich mir meine eigene Workstation: das Roland VS1680! Es war das Beste, was man zu der Zeit in diesem Bereich bekommen konnte. Alles in allem gab ich 6.000 DM aus.

Allein das Einrichten des Studios machte ungeheuren Spaß! Als alles fertig war, hatte ich nicht viel Platz. Stellte man einen Mikrofonständer auf, passten gerade mal zwei Leute in den Raum!
Doch ich machte es mir gemütlich, mit gedämpftem Licht und Räucherstäbchen. Es war mein kleines Reich!

Ich begann aufzunehmen.

Es war absolut faszinierend! Ich saß sprichwörtlich Tag und Nacht in meinem Studio. Das Ganze nahm mich dermaßen gefangen, dass ich oft Essen und Trinken vergaß. Ich wollte noch nicht mal aufs Klo! Einmal nahm ich meinen Song Wild Wind auf. Es ging um 14.00 Uhr los und endete am nächsten Morgen um 5.00 Uhr! Ich merkte noch nicht mal wie die Zeit verging. Als ich mich danach ins Bett legte, konnte ich nicht einschlafen weil mein Kopf voll war mit Musik. Es war wie eine Droge!

So ging es ung. einen Monat. Doch dann hatte ich ein Problem: ich verdiente kein Geld! Also musste ich wieder raus auf die Gass' anschaffen.

Und dann traf ich Ky Wolfe! Es war ein verregneter Tag. Ich stand mit meiner Johnson unter der Markise der Schlecker Drogerie in Oberursel und sang gerade Proud Mary als er vorbei schlenderte. Er viel mir sofort auf: ein kleiner, dicklicher Typ, so um die Vierzig, mit Brille, Vollbart und Strubbelfrisur. Er trug eine Dachdeckerhose (so wie ich), eine Hanseaten Kappe und hatte eine Kippe im Mund. Als er mich kurze Zeit später ansprach, viel mir sein Hochdeutsch auf, sowie seine gewählte Ausdrucksweise. Ich merkte zwar, dass ich es hier mit keinem Deppen zu tun hatte aber so richtig einordnen konnte ich ihn nicht. Er sagte:

"Könntest du nochmal Proud Mary spielen? Ist eine interessante Version!"

Also spielte ich nochmal Proud Mary und er hörte aufmerksam zu. Danach sagte er folgendes:

"Klasse! Mein Name ist Ky Wolfe und ich arbeite im Musikbusiness. Bin auf der Suche nach talentierten Leuten. Hättest du Lust auf'n Kaffee?"

Ich sah ihn nur an und dachte er will mich verarschen! Anscheinend bemerkte er meine Skepsis und meinte:

"Du hast es drauf! Kannst du dir eine Karriere als Solointerpret vorstellen?"

Und ich antwortete ohne lange zu überlegen:

"Nein! Aber ich habe ein Studio wo wir aufnehmen können."

Wir tauschten Telefonnummern aus, er verabschiedete sich und ich vergaß das Ganze.

Eine Woche später klingelte mein Handy und Ky war dran. Er wäre gerade in der Nähe und könnte in einer Stunde vorbeikommen. Ich erklärte ihm wo wir wohnten. Danach sagte ich zu Ella:

"Da kommt gleich so ein komischer Typ vorbei. Er heißt Ky."

Ung. eine Stunde später fuhr ein Wohnmobil vor. Ky stieg aus, mit einem kleinen Terrier an der Leine und das Schicksal nahm seinen Lauf!

Er verbrachte den Tag bei uns und erzählte seine Geschichte. Ky war Musiker, Komponist und Muikproduzent. Er arbeitete früher mit dem berühmten Musikproduzenten Frank Farian und kannte ihn schon über 35 Jahre. Dabei schrieb er u.a. auch Songs für Farians frühe Interpreten BENNY & GILLA. Ky kramte sein Fotoalbum aus der Tasche und zeigte uns Bilder aus dieser Zeit: zu sehen waren Ky, Boney M. und Frank Farian bei der Arbeit im Studio! Er erzählte wie ihn dieser Job und der Stress fast das Leben gekostet hätte, dass er nach dem zweiten Herzinfarkt aufgab und dadurch alles verlor: seine Frau, seine Kinder und sein Vermögen. Dazu zeigte er noch Bilder seiner Familie. Er lebte in einem gemieteten Haus in Landau an der Weinstraße und arbeitete als Kassierer bei der örtlichen Tankstelle. Er wollte zurück ins Muisikbusiness und versuchte deshalb in Eigenregie wieder etwas auf die Beine zu stellen. Er fragte, ob ich nicht Lust hätte mit zu machen und ich hätte irgendwas von einem eigenen Studio erzählt? Wir gingen rüber und ich spielte einige meiner Aufnahmen vor. Ky war fasziniert! Er sagte:

"Wir werden hier vorproduzieren! Damit gehe ich dann hausieren. Ich kenne alle im Business! Wenn wir Erfolg haben, gehen wir ins richtige Studio und du verdienst ein Schweinegeld!"

Als ich fragte wer "alle" wären, meinte er das wären Leute wie Dieter Thomas Heck, Michael Holm, Jürgen Drews etc. Kollegen von früher, die immer noch dick im Geschäft wären und er genau da wieder rein wollte ... aber ohne Frank Farian!

Als er sich verabschiedete hatte er ung. 10 große Tassen Cappucino getrunken und der Aschenbecher war bis oben hin randvoll! Soviel zum Thema Herzinfarkt. Ella und ich sahen uns an und wussten nicht was wir von der ganzen Sache halten sollten. Ich war immer noch skeptisch. Gleichzeitig spürte ich, dass an der Sache was dran war.

Am nächsten Tag war Ky wieder da und brachte sein Yamaha-Keyboard und die Gitarre mit.

"Hier haste mein Keyboard. Vielleicht kannst es ja gebrauchen."

Er arbeitete gerade an einem Kinderlied mit dem Titel Wir sind das Licht und musste nochmal kurz drübergehen. Dazu setzte er sich in die Küche, trank eine Tasse Cappo nach der anderen und rauchte solange bis Ella ihn rauswarf! Danach gingen wir ins Studio und es begann das, was später als Feldstraße 18-Phase in die Annalen unserer Familiengeschichte eingehen sollte. Wir arbeiteten Tag und Nacht! Ich saß oft mit meinem Handbuch da, weil ich das 1680 noch nicht völlig beherrschte. Wenn Ky nicht da war, nahm ich alleine auf. Ich produzierte Wir sind das Licht von Anfang bis zum Ende und weiß noch wie ich die Chorstimmen mit einer Zweifingertechnik auf dem Keyboard über den Synthesizer spielte und dafür einen ganzen Tag brauchte. Ab und zu musste ich mehr als zwei Finger benutzen und verspielte mich ständig. Bin ja kein Keyboarder! Was am Ende dabei rauskam war ein wunderschönes Lied, das Ky total faszinierte. Er hatte absolut nichts daran auszusetzen, klopfte mir auf die Schulter und sagte:

"Guter Job!"

Ich bin heute noch stolz drauf!

Alles war schön und gut doch ich verdiente kein Geld dabei. Das sagte ich Ky und er versicherte mir, dass er bereits jemanden an der Hand hätte, der uns Wir sind das Licht abkaufen würde. Trotzdem musste ich mir 1.000 DM von Jörg leihen, um die Miete zu bezahlen. Kurze Zeit später war die Nummer tatsächlich verkauft und Jörg bekam sein Geld wieder!

Danach gings weiter mit der Countrynummer Daddy und mit Es war doch einmal Liebe im Stil von Tic Tac Toe. Ky schrieb diese Titel bei uns am Küchentisch, während um ihn herum voll das Chaos abging: schreiende Kinder, bellende Hunde, ständiger Besuch von Freunden. Störte ihn überhaupt nicht! Hauptsache er hatte einen frisch gebrühten Cappo neben sich stehen und seinen Rot Händle Tabak. Ich hab einmal an einer seiner Selbstgedrehten gezogen und wäre fast in Ohnmacht gefallen!

Von Es war doch einmal Liebe nahmen wir insgesammt 12 verschiedene Versionen auf! Plötzlich standen irgendwelche Sängerinnen bei uns im Studio, die Ky anschleppte. Bei Daddy machte die ganze Familie mit. Jana war zwölf und Sarah gerade mal sechs Jahre alt. Zusammen mit Ella sangen sie im Chor. Ich spielte mitten in der Nacht ein geiles Rockgitarren-Solo ein und vergaß dabei den Aufnahmeknopf zu drücken! Ky meinte nur, dass ich deswegen bei Frank Farian sofort gefeuert worden wäre! Zwischendurch erzählte er unglaubliche Geschichten und Anekdoten aus seiner Zeit bei Farian und aus den Siebzigern, als er noch selber Musiker war.

Ky gründete die Ohrwurm Multimedia Agentur (OMA) und war ständig auf der Suche nach neuen Talenten. Eines Tages kam er an und erzählte von seinem alten Feund Tommy, dem Imobilienmakler aus Stuttgart mit Geld wie Heu. Tommy wäre schon immer scharf darauf gewesen ins Musikbusiness einzusteigen und Ky hätte ihm deshalb unsere Aufnahmen vorgespielt. Im Vordergrund stand dabei Daddy und Es war doch einmal Liebe. Tommy war total begeistert und überzeugt! Er erklärte sich dazu bereit, beide Nummern komplett neu in einem professionellem Studio aufnehmen zu lassen und die Kosten dafür zu tragen. Komerziell gesehen sollte das Ganze so verpackt werden, dass man es hinterher einer großen Plattenfirma anbieten könnte, die es wiederum mit Kusshand nehmen würde, weil sie selber keine Studioproduktionskosten aufbringen müsste. Das war der Plan.

Ky war total euphorisch! Für ihn ging es um alles oder nichts. Es ging, wie er sagte, um unsere Zukunft. "Stell dir vor, wir haben Erfolg damit. Dann muss ich nicht mehr bei der Tanke arbeiten und wir können gemeinsam ein Studio auf Mallorca gründen. So wie Michael Cretu oder Peter Maffay!"

Es war eine schöne Vorstellung: Ella, die Kids und ich auf Mallorca - ein Leben in der Sonne, in einem schönen Haus mit Blick aufs Meer und einem professionellem Studio! Ich begann zu träumen ...

Und tatsächlich: kurze Zeit später wurde ein Studio gebucht und wir alle fuhren gemeinsam zu Franz Halmich nach Knittlingen! Franz war früher Keyboarder und Saxophonist bei den Flippers und hat nach eigener Aussage deren Hit Weine nicht kleine Eva geschrieben. Er besaß ein großes Studio im Keller seines großen Hauses. Das Studio bestand aus dem Regieraum mit einem 48-Spur-Mischpult und einem großen Aufnahmeraum wo eine komplette Bigband reingepasst hätte. An den Wänden hingen Bilder von Stars und solchen die es noch werden wollten und die alle schon bei Franz im Studio waren. In der Ecke stand eine ultra teure digitale Bandmaschine. Weder diese noch das Mischpult wurden für die Aufnahmen benutzt. Vielmehr saß Franz an einem kleinen Tisch neben dem Pult an seinem Apple. Damit wurde aufgenommen! Auf meine Frage warum er das Mischpult noch hätte antwortete er: "Es macht einen guten Eindruck auf die Kundschaft!" Da wurde mir klar, dass ich mit meinem Studio auf dem richtigen Weg war!

Als dann Tommy mit seinem Porsche vorfuhr und im Armani Anzug ausstieg wurde mir nochwas klar: dieser Mensch hatte mit Musik überhaupt nichts am Hut! Das war ein reiner Geschäftsmann. Wärend wir uns einander vorstellten klingelte sein Handy. Er führte ein kurzes Gespräch und legte auf. Er hatte gerade eine Wohnung in Stuttgart gekauft! Mit dabei war sein Assistent, von dem Ky später sagte, dass er tief in Tommys Arsch kriecht und nur ab und zu mal den Kopf rausstreckt um Luft zu holen.

Es wurde ein Zeitplan erarbeitet, Zimmer gebucht und danach gings zum Abendessen. Dort hielt uns Tommy einen Vortrag über Arbeitsmoral, was er von uns erwartete und was für ein toller Typ er selber sei. Ich konnte nicht anders aber langsam hatte ich das Gefühl, dass sich dort am Tisch unser Traum von Mallorca langsam aber sicher in Luft auflöste! Der Rest des Abends quatschten Tommy und Ky über alte Zeiten und wir anderen hörten einfach nur zu. Danach gings in die Pension.

Am nächsten Tag fing die Arbeit an. Während ich im Studio stand und die Gitarrentracks einspielte, kam Tommy mit seinem Assistenten hereingeschlendert. Sie hingen nur rum und standen mehr oder weniger im Weg. Irgendwann mussten sie dann gehen und jeder war froh darüber. Zwischendurch kam noch ein Saxophonist und der Pedalsteelplayer von Truck Stop. Ella und Jana machten ihren Job als Chorsängerinnen, wurden bezahlt und fuhren wieder nach Hause. Ich sah sie erst Wochen später wieder, weil sie nach Portugal fuhren. Ich blieb noch einen weiteren Tag und nahm ein paar Tracks mit der akustischen Gitarre auf. Von der Euphorie war nichts mehr zu spüren und am Ende war ich froh als ich nach Hause fahren durfte. Während der Fahrt in unserem Campingbus legte ich die CD Tuesday's Child von Amanda Marshall auf. Selbst heute noch bekomme ich dabei das gleiche Gefühl im Bauch wie damals, als ich auf der A5 Richtung Heimat fuhr. Ein Gefühl von Melancholie und der Gewissheit, dass alles nur ein schöner Traum war.

Als mir Ky später die fertigen Aufnahmen vorspielte und erzählte was abgelaufen ist, wusste ich, dass mein Bauchgefühl richtig war. Die Nummern klangen glattgebügelt und steril. Es fehlte das gewisse etwas. Unsere ersten Aufnahmen klangen dagegen viel besser, mit Feuer, Leidenschaft und Energie. Die neuen dagegen nur komerziell ... und sonst nichts. Ky hatte damit keinen Erfolg bei den Plattenfirmen. Tommy war total angepisst! Beide hatten sich deswegen zerstritten.

Ich machte danach einfach weiter wie immer: Straßenmusik und Studioaufnahmen. Ky verschwand für eine Weile von der Bildfläche. Dann gründete er ein Trio mit dem Namen Der Flotte Dreier. Sie traten bei Lilo Wanders in der Show auf. Als Ella und ich heirateten, kam er auf unsere Hochzeit und spielte ein Lied, das er für uns geschrieben hatte. Danach haben wir ihn nie wieder gesehen. Auch Nachforschungen im Internet haben nichts ergeben. Ich weiß nicht mal ob er noch lebt.

Die Zeit mit Ky Wolfe war eine der kreativsten im meinem Leben. Später mussten wir umziehen und ich löste das Studio auf.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Musik: Die 90er = Jörg Fuhrmann ... der Resonatorman


Jörgs Weihnachtsgeschenk: Johnson Style O


Pre war 1932 National Style O vintage resonator guitar


Ich hatte schon davon erzählt, dass ich jahrelang nur Instrumentalmusik in deutschen Fußgängerzonen spielte. Dazu benutzte ich einen batteriebetriebenen Verstärker. Nun ist es in Deutschland generell verboten in Fußgängerzonen mit so einem Teil aufzutreten, sofern man keine Sondergenehmigung hat. Die wiederum bekommt man nur zu ganz bestimmten Anlässen. Der Grund dafür nennt sich Ruhestörung. Das war schon immer so, nur händelte jede Stadt das auf ihre Art und Weise. In manchen Städten wurde es geduldet, in anderen wiederum nicht.

Ruhe hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Deshalb gibt es auch die Mittagsruhe von 13.00 bis 15.00 Uhr, die Nachtruhe nach 22.00 Uhr und die Ruhe in Ewigkeit ... Amen.

Ich erinnere mich an die Zeit auf der Zeil/Frankfurt während der achtziger Jahre, als sogut wie jeder Straßenmusiker einen Amp dabei hatte und sogar Bands komplette Anlagen mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug dort aufbauten und loslegten. Irgendwann wurde es strikt verboten. Das Ordnungsamt war da auch ganz schön hinterher und wies ihre Strafzettelverteiler an, Ruhesünder rigoros zu verfolgen und zu knechten! Am liebsten hätten sie dieses Teufelswerk genannt Straßenmusik komplett untersagt, was aber laut Gesetz nicht möglich ist, da die Fußgängerzone ein öffentlicher Raum ist, wo Menschen sich treffen und komunizieren. Dazu gehört auch das Musizieren. Außerdem wäre es schlecht gewesen für die Publicity. Wie hätte das denn ausgesehen wenn man jeden, der sich mit einer Gitarre irgendwo hinsetzt sofort verscheuchen oder gar verhaften würde?!

Also ließ man sich was einfallen. Innerhalb der Gesetze gibt es Spielräume. Viele Großstädte im Rhein/Main-Gebiet folgten dem Beispiel Frankfurts und legten eigene Regeln in Sachen Straßenmusik fest. Bad Homburg setzte dem Ganzen die Krone auf: nicht nur, dass man keinen Verstärker mehr benutzen durfte. Man musste sogar den Platz alle 15 Minuten wechseln und mindestens 100 Meter weiterziehen!

Als Straßenmucker merkte man sehr schnell woher der Wind wehte, d.h. wo man willkommen war und wo nicht. In Bad Homburg sicherlich nicht. Was diese Stadt brauchte waren reiche Leute, die ihr Geld im Spielcasino ausgaben.

Oft wussten die Ordnungshüter selber nicht wie genau die Regeln lauteten und erzählten einem irgend 'nen Scheiß, der vorne und hinten nicht stimmte. Deshalb ging ich dazu über die Ordnungsämter abzuklappern, um mich genau zu informieren. In Aschaffenburg, wo ich oft und gerne spielte gab es so eine Art Bürgerpolizei. Das waren ganz normale Leute, die sich freiwillig dafür meldeten, täglich durch die Fußgängerzone und den Stadtpark zu patroulieren. Die machten das ehrenamtlich und bekamen dafür so eine Art Uniform und Funkgeräte zur Verfügung. Auf Anfrage musste man diesen Leuten den Personalausweis vorzeigen und ggf. deren Anweisungen befolgen. Wenn nicht, riefen sie sofort die "Kavallerie". Der Grund für die Aufstellung einer solchen Bürgepolizei war die steigende Drogenkriminalität in der Stadt. Man wollte die Strafzettelverteiler entlasten. Schließlich sollten diese Geld in die Kassen bringen und sich nicht mit irgendwelchen Drogis rumschlagen!

Die Bürgerpolizisten waren alle durchweg nette Leute und ich hatte keinen Ärger mit ihnen ... außer mit einem! Dieser Arsch hatte es nicht nur auf mich, sondern auf jeden abgesehen, der unerlaubt einen Furz ließ! Er machte mir zusehends das Leben schwer. Deshalb ging ich eines Tages auf das Ordungsamt und sprach mit einem Sachbearbeiter. Herr König war ein netter Mensch und erklärte mir ganz genau was ich als Straßenmusiker in Aschaffenburg durfte und was nicht. Dabei kam folgendes raus: in der kompletten Fußgängerzone durfte man nicht mit Verstärker spielen und musste den Platz alle 30 Minuten wechseln. Ausgenommen von dieser Regel war das Schöntal. In diesem Bereich, der sich von der Fußgängerzone durch den Stadtpark bis runter zur City-Gallerie ertsreckt, durfte man stehenbleiben so lange man wollte und den Verstärker bis zum Anschlag aufdrehen! Natürlich hielt ich mich von nun an immer dort auf und als das nächste Mal der Bürgerpolizistenarsch wieder vor mir stand sagte ich ihm durch die Blume, er solle sich verpissen!

In Bad Orb musste man z.B. unter der Woche 10 Euro zahlen, um Straßenmusik machen zu dürfen. War mir auch ganz recht! Ich zahlte und hatte meine Ruhe. Kein Mensch beanstandete danach meinen Verstärker oder dass ich zu lange an einem Platz stehen würde! Die Konkurrenz wurde dadurch auch ausgeschaltet weil sich anscheinend keiner außer mir die 10 Euro leisten konnte oder wollte.

Innerhalb dieser Regelstrukturen hatte auch ich meine Spielräume und fand sehr schnell heraus wie und wo der Hase läuft. Wenn ich heute daran zurückdenke wundere ich mich darüber, dass ich das alles so lange mitgemacht und ausgehalten habe. Zumal ich jetzt schon seit fast sechs Jahren, sechs Tage die Woche an ein und dem selben Platz stehe und spiele! Kein Mensch regt sich hier darüber auf.

Wie auch immer, ich machte so weiter. Bis ungefähr 1998. Dann traf ich Jörg Fuhrmann! Wir lernten uns in Hofheims Fußgängerzone kennen. Jörg spielt ebenfalls Gitarre und ist ein Experte in Sachen Resonatorgitarren. Er spielt Blues mit Slide und ist ein Anhänger der alten Schule. Zu seinen Vorbildern gehört u.A. Bob Brozman. Ich weiß noch, dass mich Jörg fragte ob ich Slide spielen würde. Als ich bejate, musste ich sofort eine Nummer vorspielen. Danach wurden wir schnell Freunde :o)

Für diejenigen, die nicht wissen was eine Resonatorgitarre ist: guckst du hier!

Jörg lud mich zu sich nach Hause ein und zeigte mir seine "Projekte": Resonatorgitarren, an denen er rumwerkelte und sie so lange modifizierte, bis er das Beste aus ihnen herausholte. Dabei ging es weniger darum, ob diese Gitarren teuer waren oder nicht. Oft waren es gerade die billigen Nachbauten, die nach einer solchen Behandlung besser klangen als die teuren Originale. Jörg war von Beruf Uhrmacher und ist ein absoluter Perfektionist. Sein Traum war eine original National aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Am besten eine National Style O aus den frühen dreißiger Jahren (siehe Bild).

Ich erzählte ihm wiederum von meinen Verstärkerproblemen auf der Straße und dass ich mir langsam eine Alternative überlegen müsste. Jörg hörte aufmerksam zu und riet mir schließlich zu einer Resonatorgitarre, da diese speziell auch für die Musik auf der Straße gebaut wurde um sich gegen den Krach durchzusetzen ... rein akustisch ohne Verstärker. Man muss sich das mal vorstellen: laut Wikipedia wurde das Instrument kurz vor 1930 von den aus der Slowakei stammenden Gebrüdern Dopyera (Dopyera Brothers) entwickelt, um die Lautstärke anderer Instrumente, insbesondere von Bläsern, auch für Gitarristen möglich zu machen. Das Lautstärkeproblem gab es also schon immer und ich war noch nie auf die Idee gekommen es mal mit so einer Gitarre zu versuchen.

Ich erwiederte, dass ich es mir nochmal überlegen würde, mir z.Zt. aber keine leisten könnte.

Es war dann kurz vor Weihnachten als Jörg anrief und sagte, ich sollte mal vorbeikommen, er hätte da was für mich. Bei ihm Zuhause präsentierte er mir dann eine von ihm modifizierte Johnson mit original National-Resonator. Die Gitarre klang unglaublich laut und besser als die viel teurere Continental, die er noch hatte.

Er schenkte mir die Johnson zu Weihnachten!

Ich war total aus dem Häußchen! Ich hatte bis dahin noch nie eine Gitarre geschenkt bekommen. Jörg wollte mir nicht nur eine Freude damit machen, sondern mich auch bei meinem täglichen "Kampf" auf der Straße unterstützen. Ich liebe diese Gitarre. Sie ist ein Beweis unserer Freundschaft und ich werde sie niemals hergeben! Sie wurde danach nochmal modifiziert. Thomas Kortmann aus Oberursel ersetzte den ursprünglichen Hals durch einen breiteren, aus hoch qulitativem Vogelaugenahorn! Und auch hier kam Jörg wieder ins Spiel. Kortmann baute zwar den Hals, weigerte sich aber diesen in die Gitarre einzupassen. Zuviel Arbeit, wie er sagte. Das machte dann Jörg. Und er machte einen hell of a job! Der Hit war, dass das Ganze nochmal mit einer zweiten Holz-Johnson, die ich später kaufte mehr oder weniger genauso wiederholt wurde!

Ich wusste nicht, wie ich ihm für das alles hätte danken können!

Aber es kam noch viel besser! Kurze Zeit später fand ich in einem Gitarrengeschäft in Frankfurt eine original Pre War National Duolian! Kostenpunkt 3.600DM. Ich weiß nicht welcher Teufel mich ritt aber ich musste diese Gitarre unbedingt haben! Warscheinlich lag es daran, dass mich Jörg mit dem Resonatorvirus infiziert hatte. Ich rief ihn an und erzählte ihm von der Neuigkeit. Er ließ alles stehen und liegen und fuhr von der Arbeit in Kronberg runter nach Frankfurt. Als er im Laden war konnte er seinen eigenen Augen nicht trauen: da war genau die Gitarre, die er schon immer haben wollte! Doch ich wollte sie auch. Der Hit war, dass ich überhaupt kein Geld hatte und Jörg es mir lieh, nachdem er den Preis auf 3.000DM runterhandelte!!! Ich musste ihm nur versprechen, dass wenn ich die Gitarre nicht mehr haben wollte, er sie bekommen würde.

Soviel zur Frage "Wie hätte ich ihm nur danken können"! Wenns nämlich um Gitarren geht, werden bei uns Gitarristen nicht nur gute Vorsätze außer Kraft gesetzt, sondern auch das Hirn!

Am nächsten Tag stand ich mit der alten Duolian im Schöntal Aschaffenburg und versuchte gerade den Gurt festzumachen als sie plötzlich runterfiel und mit dem Kopf zuerst auf das Pflaster krachte! Es gab einen Schlag als hätte jemand mit einem Baseballschläger gegen eine leere Blechtonne geschlagen und ich bekam fast einen Herzinfarkt!! Bei jeder anderen Klampfe wäre der Kopf sofort abgebrochen. Nicht so bei der alten Duolian. Durch ihr Alter war das Holz hart wie Fels! Lediglich ein kleines Stück oben am Kopf war abgesplittert. Doch auch das tat mir in der Seele weh! Ich erzählte Jörg davon am Telefon und er verfluchte mich!

Später konnte ich ihm die 3000DM nicht zurückzahlen und er bekam die Gitarre. Komischerweise verkaufte er sie an einen Freund und bestellte sich eine andere aus den USA. Das war eine National Triolian Bj. 1932/33. Diese wiederum kaufte ich ihm für 2.000 Euro ab, kurz bevor ich nach Irland ging. Doch ich konnte mich nicht so recht mit ihr anfreunden und nachdem sie Jahrelang nur im Koffer lag stellte ich sie für einen Festpreis von 1.800 Euro im eBay ein. Doch keiner wollte sie haben. Statt runterzugehen erhöhte ich den Preis auf 1.900. Das ging dann weiter bis 2.300 Euro. Dann kaufte sie ein Typ aus Deutschland. Sein Kommentar: "Ich wollte schon immer so eine und habe deshalb sofort zugeschlagen!" Wie gesagt, wir Gitarristen sind Freaks!

Worum es mir aber geht ist folgendes: durch Jörg habe ich mein altes Instrumentalprogramm über Bord geworfen und fing an zu singen! Ich stand da plötzlich mit einer funkelnden Blechgitarre, einem eye catcher und sang mir die Seele aus dem Leib. Nicht nur, dass damit das Verstärkerproblem gelöst war, sondern ich fühlte mich auch befreit von den alten Gewohnheiten und sang es in die Welt hinaus. Plötzlich bekam ich auch öfters Auftritte und verdiente mehr Geld! Ich lernte Leute kennen, die früher nur an mir verbeigelaufen sind, mir nun aber gut zusprachen, Komplimente und Mut machten. Ich fühlte mich wie neugeboren. Das einzig Negative an der Resonatorgitarre ist ihr Gewicht. Durch das jahrelange Spielen im Stehen mit so einer Klampfe aus Messing, habe ich heute einen Haltungsschaden. Doch das war es mir wert!

Heute spiele ich wieder mit Verstärker und habe alles Mögliche im Programm. Ich spiele die alten Instrumentalnummern, singe meine Songs und spiele neuerdings auch E-Gitarre mit Backingtracks. Ich habe drei Gitarren da draußen (auch die Holz-Johnson), singe über Mikro und habe meinen Platz gefunden.

Das alles habe ich zum großen Teil meinem alten Freund Jörg Fuhrmann zu verdanken. Ohne ihn hätte ich später nie in Irish-Pubs gespielt und wer weiß, vielleicht wäre ich auch nicht hier!

Thank you my friend!

P.S. Jörg spielt z.Zt. im Bluesduo Cooling Board. Lohnt sich rein zu schauen!

Mittwoch, 2. Februar 2011

Musik: Die 90er = Duo Denum


Duo Denum

Einer der wichtigsten Musiker mit dem ich zu sammen gespielt habe war (und ist auch heute noch) Manuel Koglin alias Don P.

Ich kann mich noch erinnern wie wir uns kennelernten. Zwei Freundinen (Suse & Babsi) nahmen mich mit in seine WG, wo eine akustik Session im Wohnzimmer stattfand. Auf dem Weg dorthin erzählten sie, was für ein abgefahrener Typ er wäre. Manuel packte dann auch gleich die Klampfe aus und legte los. Ich hatte meine Gitarre ebenfalls dabei und versuchte so gut es ging mit zu halten ... was mir jedoch kläglich misslang! Manuel hatte nämlich damals bereits das drauf, wofür ich noch einige Jahre brauchen würde. Während er also auf dem Sofa tierisch abgroovte, saß ich nur ziemlich ratlos daneben. In den Pausen versuchte ich mit meinen Istrumentalnummern zu imponieren. Auch das gelang mir nicht! Manuel sagte lediglich: "Bei einem Abendessen würde ich dich als Hintegrundmusiker engagieren."

Er wurde mir zusehends unsympathisch!

Während er also wie ein junger Gott weiterspielte und die Mädels ihn anhimmelten, wollte ich nur noch nach Hause.

Das war meine erste Begegnung mit Manuel.

Jahre später, als ich mit Treibhaus spielte rief er mich an und fragte, ob ich nicht Lust hätte in seiner neuen Band mit zu spielen. Don P. Projekt bestand aus Manuel (Gesang und Gitarre), Ralf Müller (Bass), Michael Hoffmann (Drums), Susanne Öhmann und einem anderen Mädel, deren Namen ich nicht mehr weiß (Backingvocals) und mir. Wie der Name schon sagt war das Manuels Projekt. Er war der Chef. Wir waren gut, coverten Led Zeppelin, Steve Miller u. A. Irgendwann gab es Knatsch und die Band fiel auseinander.

Es gingen wieder ein paar Jahre ins Land. Da rief ich ihn an und fragte, ob er nicht Lust hätte mit mir ein Duo zu gründen: zwei akustische Gitarren mit Gesang. Gesagt, getan. Wir nannten uns Duo Denum. Ab hier wurde es interessant! Nach all den Jahren seit unserer ersten Begegnung war ich endlich in der Lage Manuel das Wasser zu reichen. Man muss nämlich eines wissen: Manuel ist nicht nur ein wahnsinns Musiker, der Gitarre, Bass und Schlagzeug spielt, sondern auch ein geborener Entertainer! Er hat eine ausgeprägte Persönlichkeit. Die habe ich allerdings auch! Und genau das machte Duo Denum zu was besonderem. John Mayer sagte mal, eines der wesentlichsten Dinge im Zusammenspiel mit anderen Musikern ist der Versuch, sich gegenseitig zu beeindrucken. Genau das war bei Manuel und mir der Fall. Außerdem lernten wir beide voneinander und forderten uns ständig gegenseitig heraus. Ich glaube, dass ich zu dieser Zeit wirklich anfing richtig Gitarre zu spielen. Auf jeden Fall war ich super in Form!

Duo Denum war eine Simbiose, da wir beide einen unterschiedlich musikalischen Background haben und uns somit gegenseitig super ergänzten. Während ich von der akustischen Gitarre komme mit Folk, Blues und Country Einflüssen, ist Manuel ein Jazz-, Rock-, Raggae-, Latin-, Funk-Typ. Zu meinen Vorbildern zähle ich u.a. Leo Kottke und Ry Cooder. Manuels heroes sind dagenen Gitarristen wie Al Di Meola und John McLaughlin. Das merkt man auch an der Art wie er spielt und vor allem was er spielt. Technisch gesehen war es für mich eine Herausforderung als wir die Nummer Mediterranean Sundance von Al Di Meaola, John McLaughlin & Paco De Lucia spielten. Manuel hatte das voll drauf und konnte da richtig glänzen, da ging er ab wie die Feuerwehr! Meine Spezialtät war Blues-Rock und auch das Spiel mit dem Slide.

Gemeinsam fuhren wir ab auf Bands wie die Eagles, CSN&Y, Neil Young, Rolling Stones, Police, Lynyrd Skynyrd, Steve Miller, J.J.Cale, Hendrix etc. Vor allem stand auch der zweistimmige Gesang im Vordergrund. Wir probten einmal die Woche und Manuel infizierte mich mit dem Raggae-Virus. Bei den Auftritten gings dann richtig zur Sache. Egal wo wir spielten, ob es voll war oder nicht, wir hatten für jeden was dabei: breitgefächertes Repertoire, virtuoses Gitarrespiel, super Gesang und Unterhaltung! Die Gigs liefen folgendermaßen: der erste Set zusammen, danach jeweils getrennt und zum Schluss nochmal gemeinsam. Mit der Zeit wurden wir richtig gut. Ich kann mit Fug und Recht behaupten (und da wird mir nicht nur der Manuel zustimmen), dass wir der Knaller waren!

Doch auch das hatte irgendwann ein Ende!

Und zwar an dem Abend im Jazzkeller-Hanau als ich zu unserem Gig eine E-Gitarre und Verstärker mitbrachte. Manuel war deswegen eingeschnappt und mir ging mal wieder alles auf'n Sack. Danach war aus die Maus! Wir trennten uns entgültig.

Trotz aller positiven Aspekte unseres Zusammenspiels hatte ich oft das Gefühl, das Manuel mir den Atem nahm. Ich hatte das Gefühl, dass er mir nicht zuhörte wenn ich was erklären wollte und mich dann im Eifer des Gefechts einfach überrollte. Er drehte manchmal derartig auf, dass ich mir wie bei einem 100 Meter-Lauf vorkam: Manuel ging ab wie Zäpfchen und ich hechelte hinterher! Ich kann mich noch erinnern als wir Mal zu einem Gig fuhren: jeder fuhr mit seinem eigenen Auto. Ich fuhr vorneweg und hielt mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Plötzlich überholte mich Manuel. Ich dachte "leck mich doch" und zog wiederum an ihm vorbei ... bei absolutem Überholverbot! Später meinte er, dafür hätte ich meinen Führerschein verlieren können. Ich wies ihn darauf hin, dass er bei seinem Überholmanöver zu schnell fuhr usw.

So ungefähr war auch unser musikalisches Zusammenspiel. Ein Konkurrenzkampf mit Unterhaltungswert! Eigentlich hätten wir Duo Demon oder Duo Dumb heißen sollen ...

Die Wahrheit ist: Manuel war damals immer noch besser als ich. Und wenn er merkt, dass er der Bessere ist, wird er zum Alpha-Tier. Ich wiederum konnte das nicht ertragen und wischte ihm eine aus, indem ich die E-Gitarre mit ins Spiel brachte. Doch das war ein Bruch unserer Vereinbarung: Duo Denum war ein Akustik-Duo!

Später tat es mir leid. Was hätte nur aus uns werden können?!

Kurz bevor es nach Irland ging rief er an und fragte, ob wir nicht Duo Denum wiederbeleben wollten. Er ist bisher auch der einzige meiner Kumpels, der uns hier besuchen kam. Wir spielten zusammen auf der Straße und im Pub, redeten über alte Zeiten und hatten jede Menge Spaß. Erst jetzt, nach so langer Zeit habe ich nicht mehr das Gefühl, dass er mich bevormundet. Er ist auch ruhiger geworden. Dafür bin ich bekloppter als jemals zuvor!

Trotzdem haben wir beide noch den R&R: Sobald wir gemeinsam die Klampfen auspacken, ist das alte Feuer wieder da und Duo Denum lebt! Wer weiß, vielleicht machen wir irgendwann mal wieder da weiter, wo wir vor zwanzig Jahren aufgehört haben. Ich könnte mir das gut vorstellen.