Mittwoch, 27. Januar 2010

Der richtige Fahrrad-Sattel



Dieses Photo kommt von meinem Kumpel Gerhardt aus Austin, Texas.
Man beachte den Fahrrad-Sattel!

Montag, 25. Januar 2010

Der Januar ist schon fast rum!

Der Januar verging ziemlich schnell. Die Strassenmucke verlief relativ unspektakulaer. Erst letzte Woche Freitag und Samstag fing es wieder an einigermassen "normal" zu laufen. Bis dahin war Armut angesagt. Abgesehen von ein paar Tagen war das Wetter garnicht mal so schlecht.

Ella geht es im Moment nicht so gut: nachdem sie Krank war, hat sie jetzt Probleme mit ihrem Knie. Nach der Arbeit gestern war es so geschwollen, dass sie sich vor Schmerzen kaum noch bewegen konnte! Ice-packs sind jetzt angesagt. Angefangen hatte das Ganze nach der letzten Behandlung beim Chiro und der Akupunktur: eine von den Nadeln aktivierte wohl einen Nerv, der ihr jetzt tierisch zu schaffen macht. Auch nicht schlecht: da geht man zum Spezialisten, damit es einem besser geht und genau das Gegenteil ist der Fall!

Shit happens ... aber auch damit werden wir fertig!

Sonntag, 24. Januar 2010

Busking in Ireland



... laeuft (abgesehen vom Wetter) besser als in Deutschland. Dafuer gibt es einen einfachen Grund: es ist so eine Art Tradition ... vor allem in Clare. Man sagt sogar, Co. Clare waere die Wiege der irischen Musik. Was Strassenmusik angeht, habe ich mich hier von Anfang an wohl gefuehlt. Nachdem ich auf der Grafton Street in Dublin gespielt hatte, tingelte ich Richtung Sueden nach Wexford, Waterford, Clear Island, Schull, Dingle. Nach zwei Wochen kam ich nach Ennis und war begeistert. Ich lief die O'Connell Street entlang und dachte mir: das ist die schoenste Stadt, die ich bisher in Irland gesehen habe! Im Abbey-Youth-Hostel (heute Rowan-Tree-Hostel) konnte ich mein Drei-Mann-Zelt auf dem
campground fuer 7.50 Euro am Tag inkl. Fruehstueck und Dusche aufschlagen und blieb den ganzen Sommer.

Spaeter spielte ich jeden Tag am Hintereingang des Tesco-Supermarkts. Da habe ich mir fast eine goldene Nase verdient: ich bekam fast jeden Euro der zurueckgebrachten Einkaufswagen! So ging es monatelang bis zu jenem Tag, als genau gegenueber ALDI seine Pforten oeffnete! Ich weiss noch, es war ein Donnerstag als Pat, der alte Security-Gard zu mir kam und mir bedauernd mitteilte, ich muesste mein Zeug zusammenpacken. Spaeter erzaehlte er, das Tesco Management waere Amok gelaufen. Es kamen sogar welche aus England, um sich die Auswirkungen der ALDI-Eroeffnung anzusehen. Es wurde so eine Art Kriesenstab gebildet, alle waren schlecht drauf ... und ich musste gehen!
Das Spielen bei Tesco war so lukrativ, dass ich Existenzaengste bekam nachdem ich dort aufhoeren musste! Zudem war die Stelle ueberdacht und ich war gut vor dem Regen geschuetzt. Ich musste mir einen neuen Platz suchen.

Das war garnicht so einfach, denn im Gegensatz zu Deutschland sind die Frontseiten der Geschaefte in Irland nicht ueberdacht, obwohl es wegen dem Regen vielmehr Sinn machen wuerde. Zuerst machte ich es genauso wie in Deutschland: ich fuhr durch die Gegend auf der Suche nach neuen Plaetzen, musste jedoch schnell feststellen, dass es nicht viel zur Auswahl gab! Abgesehen von Galway und Limerick, gibt es nur noch zwei Staedte, wo es sich lohnt: Kilrush und Killaloe. Am Ende fand ich meinen Platz in Ennis, wo ich auch heute noch jeden Tag spiele.

In Irland ist nicht alles so reglementiert wie in Deutschland. Z.B. muss man nicht jede Woche die Strasse vor dem Haus kehren oder regelmaessig seinen Rasen maehen. Eigentlich muss man es ueberhaupt nicht, wenn man nicht will und der Nachbar steigt einem deswegen auch nicht auf’s Dach. Wie schon erwaehnt, gibt es fuer Strassenmusiker in Deutschland Regeln. In Irland dagegen sogut wie garnicht. Hier ist man mehr oder weniger auf sich allein gestellt.
Mit einfachen Worten: habe ich hier meinen Platz gefunden, gehoert er mir.

Natuerlich laeuft das nicht so reibungslos, wie sich das jetzt anhoert. Ich hatte am Anfang teilweise tierischen Stress mit anderen Buskern bzw. nur mit einem, der im Grunde genommen ein Saeufer und stadtbekannter troublemaker ist. Vor drei Jahren an Weihnachten ging’s dann richtig rund: als er wieder mal damit anfing mich zu beschimpfen, ging ich auf ihn los. Pech war nur, dass zum gleichen Zeitpunkt der oberste Garda Inspektor um die Ecke kam und sich das Ganze live ansehen konnte. Ich wurde verhaftet und in Handschellen abgefuehrt. Nachdem man mir auf der Polizeiwache meine Rechte vorgelesen hatte, durfte ich wieder gehen. Am naechsten Tag entschuldigte ich mich fuer meinen Ausraster, die Anklage wurde fallen gelassen und damit war das Thema erledigt. Komischerweise stieg danach mein Ansehen und ich wurde noch mehr respektiert! Die Leute fanden es naemlich gut, wie ich reagierte und klopften mir deswegen auf die Schulter. Die ganze town stand geschlossen hinter mir! Das muss man sich mal vorstellen!!

Seitdem habe ich meinen festen Platz in Ennis. Kommt es mal vor, dass ich aus irgendeinem Grund nicht auftauche, fragt sich jeder: where is he?! Wenn ich wieder da bin, heisst es: welcome back!

Ich spiele auch lieber auf der Strasse als im Pub. Auf der Strasse sind die Leute (meistens) nuechtern. Ich habe meine feste Arbeitszeit, sechs Tage die Woche. Mein Erfolg liegt auch darin, dass ich Strassenmusik als Job sehe und diesen auch regelmaessig ausuebe. Das ist auch der Unterschied zwischen mir und den irischen Buskern: ich betreibe das Ganze mit einer gewissen german efficiency.

Ein Ire hat mal folgendes zu mir gesagt:
You know why you’re so good? Because you’re not irish!

Donnerstag, 21. Januar 2010

Busking II

Zwischendurch ging ich fuer ein paar Monate in die USA. Ein Tripp wie ein Roadmovie: ich tingelte kreuz und quer durch das Land auf der Suche nach Abenteuern. Wurde auch nicht enttaeuscht. Alleine darueber koennte man ein Buch schreiben. Noch heute bereue ich, dass ich nicht laenger geblieben bin. Vielleicht fuer den Rest meines Lebens? Die Chance hatte ich und habe sie nicht genutzt!

Ab ung. 1992 spielte ich dann Strassenmusik fulltime. Kein Gitarrenunterricht mehr. Ein paar Jahre vorher viel die Berliner Mauer. Wo vorher Suedamerikaner spielten, tauchten ploetzlich Polen, Russen und Tschechoslowaken auf! Die Jungs waren bestens organisiert und nach und nach gingen die guten Plaetze verloren. Irgendwann hoerte man nur noch Kalinka und Blasmusik aus Boehmen und Maehren! Ich versuchte so gut wie moeglich ueber die Runden zu kommen, was mir aber immer weniger gelang. Ich unterhielt mich mal mit einem Polizisten darueber. Er erzaehlte, dass die russische Mafia diese Leute in ganz Russland einsammelte. Man brachte sie mit Flugzeugen nach Moskau und von dort mit Bussen in den Westen. Tagsueber spielten sie sich die Finger wund und man nahm ihnen regelmaessig das bischen verdiente Geld ab. Dafuer hatten sie Unterkunft, was zu essen, Taschengeld und vor allem: Vodka! Natuerlich waren diese Menschen in Deutschland besser dran als da, wo sie herkamen.


Kurz vor der Jahrtausendwende
war dann Schluss mit der Benutzung meines Verstaerkers in der Fussgaengerzone. War niemals erlaubt aber jetzt schauten die Ordnungshueter genauer hin. In Bad Homburg z.B. wurde es ziemlich eng fuer einen Strassenmusiker: man musste den Platz alle 15 Minuten wechseln! Als ob einem die Leute dann mit dem Geld hinterherlaufen!

Das Beste habe ich aber in Bad Orb erlebt: nachdem ich dort schon Wochen gespielt hatte, wurde ich eines schoenen Tages zum Herrn Krieger in’s Ordnungsamt bestellt. Der wollte meinen Reisegewerbeschein sehen. Natuerlich hatte ich keinen. Nicht weil ich keinen haben wollte, sondern weil ich keinen brauchte. Ich verkaufe keine Ware. Also brauche ich auch keinen Gewerbeschein. Der wollte aber nix davon hoeren und drohte mir, mich naechstes mal einzusperren! Ich mied Bad Orb fuer eine gewisse Zeit. Spaeter spielte ich wieder dort, musste aber 10 Euro zahlen.

Die Fussgaengerzone ist ein Freiraum, ein Ort der Komunikation, wo man sich trifft, sich miteinander austauscht und auch Musik spielt. Das ist die Grundregel. Deshalb kann man die Strassenmusik auch nicht verbieten. Doch jede Stadt stellt ihre Sonderregeln auf, die wiederum ueberall anders ausfallen und einem Busker das Leben schwer machen. Nach einer gewissen Zeit weiss man wo Strassenmusiker nicht so gerne gesehen werden. Herr Krieger aus Bad Orb hatte sich da einen Orden verdient.

Das Leben eines Buskers ist voller Hoehen und Tiefen ... und Ueberraschungen. Es gab schon Schlaegereien, ich wurde von einem anderen Busker mit der Waffe bedroht, mein Hund wurde angefahren, ich hab mein Auto zu Schrott gefahren, habe mich mit Polizisten, Starfzettelverteilern und Sicherheitsbeamten gefetzt, habe an Orten gespielt, wo vorher noch niemand gespielt hatte (Raumschiff Enterprise ... ich weiss). Man hat versucht mir mitten im Winter in Frankfurt auf der Bergerstrasse aus dem obersten Stock eines Wohnhauses einen Eimer Wasser ueberzugiessen! Ging dann aber gluecklicherweise wegen dem Wind ein paar Meter daneben. Ich habe die verruecktesten Leute getroffen. Freunde gefunden und wieder verloren.

Es war immer spannend und um es mal mit Edith Piafs Worten zu sagen: Non, je ne regrette rien ... oder nur wenig.

Warum Irland und wie geht's weiter?

Um Ninas Frage zu beantworten muss ich ein wenig mehr ausholen. Der Grund warum ich nach Irland gekommen bin ist alleine wegen der Musik. Nicht wegen der irischen Musik oder weil ich ein Fan davon waere, sondern wegen der Moeglichkeit Strassenmusik zu spielen und in Pubs aufzutreten.

Dass ich nach Irland gekommen bin war ein absoluter Zufall und nicht geplant: an einem Wochenende, als ich auf der Frankfurter Landstrasse verspaetet zu einem Auftritt fuhr und dabei etwas zu sehr auf's Gaspedal trat, wurde ich geblitzt! Bei 90km/h musste ich dann einen Monat meinen Lappen abgeben. Was tun? Ich hatte die Moeglichkeit mir entweder einen Chauffeur zu suchen oder daheim rumzuhaengen. Wegen der Finanzen war die Sache mit dem Chauffeur schnell vom Tisch und daheim rumhaengen auch. Also kam mir die Idee mit Rucksack und Gitarre nach Irland zu gehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Here we are!

Die ersten Jahre in Irland waren voller Euphorie aber auch hart: meine Familie war in Deutschland und ich war hier. Ein staendiges auf und ab, kommen und gehen, weinen und lachen, Einsamkeit, dass ich Bauchschmerzen von bekam. Nach zwei Jahren schafften meine Frau und meine Tochter den Sprung.

Jetzt bin ich 5 Jahre hier und habe langsam aber sicher die Nase voll. Wir ueberlegen uns jetzt so langsam nach Portugal oder Spanien auszuwandern. Das wird zwar nicht so schnell gehen aber alt werden wir hier auf keinen Fall.

So einiges ueber das wie und warum kann man auch hier nachlesen:
http://www.irlandforum.de/weg-von-hier-t20752.html

Busking

... nennt man in Irland Strassenmusik. Ich buske schon seit fast 30 Jahren. Angefangen habe ich damit waehrend meiner Studienzeit. Ich war damals auf dem Hochs Konservatorium in Frankfurt als ich eines Tages ueber die gerade fertiggestellte Zeil lief und Gitarrenmusik hoerte. Ich weiss noch, es war Winter, bitterkalt und ein wunderschoener Tag. Dort sah ich also diesen Typ auf einem kleinen, batteriebetriebenen Verstaerker sitzen und klassische Gitarre spielen. Er spielte genau die gleichen Stuecke von Bach und Villa-Lobos, die ich gerade auf dem Konservatorium lernte. Ich war total gefangen und fragte mich: Wie kann denn jemand bei so einer Eiseskaelte virtuose Gitarrenmusik spielen?!

Bald kaufte ich mir auch einen kleinen Amp (Fender Sidekick, 10W), nahm meine Lowden-Gitarre und ging auf die Zeil. So begann meine Kariere als Strassenmusiker. Ned (so hiess der andere Gitarrist) und ich waren die Einzigen, die damals dort spielten. Wir teilten uns die Zeil.

Ned und seine Frau Helena erzaehlten, sie kaemen aus Kanada. In Wirklichkeit kamen sie aus Makedonien. Sein richtiger Name war Nenad (was fuer ein Zufall :o) und beide wollten mich erstmal richtig kennenlernen bevor sie mir ihre wahre Herkunft verrieten. Eines sollte man naemlich wissen: mit uns Jugoslawen ist nicht immer gut Kirschen essen und man muss vorsichtig sein mit wem man es da zu tun hat! Ned und Helena zogen schon seit einigen Jahren durch die Weltgeschichte. Dabei trugen sie ihr ganzes Hab und Gut bei sich: drei Gitarren, Video-Rekorder, Schallplatten und Klamotten. Sie hielten sich illegal in Deutschland auf und lebten in einer kleinen Wohnung in Offenbach. Hinzu kam noch Bob, ein Rumaene und ehemaliger Musiker, der jahrelang auf Schiffen in einer Jazzband Schlagzeug spielte. Er kreuzte ueber die Weltmeere bis zu dem Tag als sein Schiff wegen Reparaturarbeiten in Rotterdamm einlaufen musste und er arbeitslos wurde. Seitdem lebte und arbeitete er in einem Hotel in Offenbach. Soweit mir bekannt, ist er heute noch dort.

Wir waren eine Clique und es war die schoenste Zeit waehrend meinem Studium. Nach ungefaehr zwei Jahren zogen Ned und Helena nach Amsterdam. Bob und ich kamen einmal zu Besuch. Kurz davor brach jemand in ihre Wohnung ein und klaute Ned's suendhaft teure Jazzgitarre, eine Gibson L-5. Kostenpunkt: 8.000$!!! Helena erzaehlte, Ned haette danach einen Monat Tag und Nacht gespielt, um sich wieder eine neue L-5 kaufen zu koennen! Er war ein ausgezeichneter Gitarrist und Musiker, spielte hervorragend Klassik und noch besser Jazz! Wir haben uns dann irgendwann aus den Augen verloren und ich habe die Beiden nie wieder gesehen. Wenn ich etwas von Ned und Helena gelernt habe: Live your dreams!

Nach insgesammt fuenf Jahren brach ich mein Musikstudium ab. Ich langweilte mich an der Uni zu tode. Jeden Tag schaute ich bei den Vorlesungen aus dem Fenster und dachte, ich sitze hier und draussen zieht das Leben vorbei. Ich konnte es kaum erwarten wieder auf die Zeil zu kommen! Einmal kam sogar meine damalige Gesangslehrerin mit, um sich das ganze mal anzusehen. Wir fuhren beide mit der Ubahn von Bockenheim zur Hauptwache: ich mit meinem Krempel und sie in ihrem suendhaft teurem Nerz. Oben auf der Zeil stand sie dann mir gegenueber und klatschte begeistert Beifall. Sie war eine wunderbare Frau! Gott segne sie.

Ich weiss nicht wie lange das mit der Zeil so weiterging. Irgendwann wurde es mir zu hektisch und zu voll! Ich kaufte mein erstes Auto und begann kleinere Staedte zu erkunden. Kleinere Fussgaengerzonen. Nach ein paar Jahren hatte ich dann ung. 15 Staedte in einem Radius von ca. 80-100km um Hanau. Es gab so eine Art Zwei-Wochen-Rhytmus, d.h. alle 14 Tage spielte ich in der gleichen Stadt. Ausserdem gab ich noch Gitarrenunterricht.