Donnerstag, 26. August 2010

Aus die Maus!

Ich spiele mit dem Gedanken das Gitarrespielen aufzugeben. Aus gesundheitlichen Gründen: meine Rücken macht mir schwer zu schaffen! Es fällt mir immer schwerer stundenlang draußen zu stehen. Mein Rücken fühlt sich an als wäre ein Traktor drüber gefahren! Macht so kein Spaß mehr. Vielleicht ist das auch ein Zeichen sich zu verändern, was anderes zu machen. Etwas neues zu beginnen.

Da ich ja schon seit Jahren im eigenen Studio aufnehme, könnte ich mir gut vorstellen es als fulltime-job zu machen. Wäre eine schöne Alternative. Das Gitarrespielen würde somit nicht ganz wegfallen und ich könnte weiterhin kreativ arbeiten. Mal sehen ...

Die Zeichen stehen im Moment auf Sturm. Ich muss das Auto loswerden, weil ich es mir nicht mehr leisten kann. Ich habe überhaupt keine Pub-Gigs mehr. Wenn ich ehrlich bin: ist gut so! Außer dem Geld vermisse ich es überhaupt nicht.

Sieht so aus als ob jetzt der Zeitpunkt gekommen wäre mit der aktiven Mucke aufzuhören ... nach 33 Jahren!

Vielleicht schreibe ich ein Buch ...

Sonntag, 22. August 2010

Golf

Ich kann ja Golf und Golfer und eigentlich alles was damit zusammenhängt überhaupt nicht ab! In meinen Augen ist das nur ein show-off von Geld und Status der Reichen oder solchen, die sich dafür halten. Wer das als Sport betreibt ist meiner Meinung nach einfach nur zu faul und zu träge richtigen Sport zu treiben.

So richtig auf den Senkel ging mir das Ganze aber erst seit ich in Irland bin. Sieht man z.B. Bilder von Irland mit wunderschöner Landschaft aus der Vogel-Perspektive oder fährt mit dem Auto über's Land denkt man: boah ist das geil, da will ich hin! Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass man da garnicht hingehen kann oder darf, weil diese grünen Felder, Wiesen und Wälder in Privatbesitz und abgesperrt sind! In Deutschland ist man es ja gewohnt in's Grüne zu fahren, sein Auto irgendwo zu parken und drauf los zu laufen. Man findet immer einen Weg, der irgendwo hinführt, wo man etwas schönes, neues entdecken kann.

In Irland ist das anders. Will man hier spazieren gehen, läuft man auf der Straße. Fußgängerwege gibet nur in der Stadt und die sind manchmal so schmal, dass einem das Flanieren wie ein Hindernislauf vorkommt. Radwege gibt es sogut wie garnicht. Man läuft also auf der Straße und muss sich vor den Autos in acht nehmen. Oder man fährt in irgendeinen Park oder Naturschutzgebiet. Eine andere Alternative wäre der Strand, sofern dieser nicht zu fern. Ennis hat zwei Parkanlagen mit Sportplatz und Wald. Dann gibt es noch ein Seegebiet, das ursprünglich ein Steinbruch werden sollte, bis man auf eine unterirdische Wasserader stieß. Das Wasser kam hoch und es bildetete sich ein wunderschöner See. Es ist jedoch riskant dort mit Hunden spazieren zu gehen, da überall Schrott und sonstiger Müll rumliegt. Auch wurden Gräben ausgehoben, wo man reinfallen und sich den Hals brechen kann! Obwohl Ennis eine Kleinstadt ist, erinnert es mich in dieser Beziehung eher an eine Großstadt, wo die Bewegungsfreiheit ziemlich eingeschränkt ist.

Am Anfang ging ich oft spazieren oder fuhr Fahrrad, um die Gegend zu erkunden. Ich wunderte mich über die vielen Mauern überall. Soviele Mauern hatte ich zuvor noch nirgends gesehen. Doch halt! Dort auf dem Hügel sah ich eine große Graslandschaft mit Bäumen. Super, da kann man bestimmt toll laufen, dachte ich. Die akurat gepflegte und wunderschön anzuschauende Graslandschaft entpuppte sich als Golfplatz, als der Ennis Golf Club. Man kann wenn mann will dort drüber laufen. Das Risiko einen Golfball gegen die Birne geknallt zu bekommen wäre mir jedoch zu groß!

Die drei größten Strände in Clare sind in Lahinch, Doonbeg und Spanish Point. Doch ratet mal was es dort ebenfalls gibt. Genau! Golfplätze. Das Doonbeg Golf Hotel ist neben dem neuen Besucherzentrum an den Cliffs Of Moher eines der größten und teuersten Projekte, die in den letzten Jahren hier in der Gegend gebaut wurden. Der Golfplatz ist so riesig, dass er sich Kilometer lang den ganzen Strand entlang zieht. Will man zum Strand, muss man einen schmalen Pfad nehmen, der mitten durch den Golfplatz führt. Dieser Pfad war schon immer da und ist den Hotelbetreibern ein Dorn im Auge. Sie haben versucht ihn zu schließen, doch es gab Proteste seitens der einheimischen Bevölkerung. Es ging glaube ich sogar vor Gericht. Die Einheimischen haben sich durchgesetzt und der Pfad ist immer noch da. Ist ja auch klar, denn es ist der einzige Zugang zum Strand! Ansonsten müsste man an einem Ende über das Hotelgelände oder am anderen Ende ganz weit oben, wo ich noch garnicht war, weil es viel zu weit weg ist! Das muss man sich mal vorstellen: die Hotelbonzen haben im Grunde genommen versucht, sich den Strand ebenfalls unter den Nagel zu reißen!

Doch das Geschäft im Doonbeg Hotel läuft auch nicht mehr so gut, habe ich mir sagen lassen. Besucherzahlen sinken und die Mitglieder im Golfclub werden auch weniger. Viel weniger! Das Hotel, in dessen Anlage das kleinste privat Apartment eine Million Euro kostete und alles binnen kürzester Zeit noch vor der Fertigstellung ausverkauft war, wo der Eintritt für die Mitgliedschaft im Golfclub rund 50.000 Euro und weitere 5.000 Euro jährlich beträgt, dieses Hotel muss in Zeiten der Rezession sparen. Der Hausmeister schaltet jeden Abend nach 23.00 Uhr die Außenbeleuchtung ab!

Anderes Beispiel: Lahinch. Ähnlich wie in Doonbeg zieht sich der Golfplatz am Strand entlang, jedoch nur um die Hälfte. Am schönsten ist es dort bei Ebbe. Der Strand ist dann riesig und man kann sogar durch den Fluß Inagh, der von Ennistymon kommend in's Meer fließt rueber an den Strand von Liscannor. Dieser Strand existiert jedoch nur bei Ebbe. Und auch dort gibt es einen kleinen Golfplatz oder bessergesagt einen Pitch and Putt ... Golf für den Pöbel. Und auch hier ist der Zugang ziemlich beschwerlich. Man muss wie gesagt über den Fluß oder man läuft von Liscannor die Straße runter. Mit Hunden ist das jedoch keine Option. Die Straße ist so schmal, dass die Autos gerade noch aneinander vorbeifahren können. Deshalb ist der Strand von Liscannor auch kaum besucht. Wir gehen gerade deswegen mit den Hunden gerne dort hin. Als wir letzten Sonntag nach ein paar Stunden wieder heim wollten und keine Lust hatten die ganze Strecke über den Fluß wieder zurückzulaufen, zumal die Flut wieder eingesetzt hatte, entschied ich mich alleine loszugehen. Ich wollte mit dem Auto Ella, Sarah und die Hundis am Pitch and Putt Parkplatz abholen. Dort angekommen standen sie vor dem Zaun und konnten nicht rüber. Der Zaun ist nämlich ein Elektrozaun, nicht etwa wegen der Kühe, sondern wegen so Leuten wie uns, die einfach nur versuchen bei Flut vom Strand weg zu kommen und die man daran hindern will über Privatgelände zu laufen. Ich hab's nicht geglaubt, griff an den Zaun bekam einen Schlag! Vorher haben's natürlich die Hunde abbekommen! Ich musste dann ein Stück die Straße runterfahren, dort in einer klitzekleinen Buchtung anhalten und warten bis die Meute hochgelaufen kam um einzusteigen. Zwischenzeitlich hatte sich ein kleiner Stau gebildet, da ich den Verkehr behinderte. Ich war so stinksauer, dass ich die ganze Strecke bis zurück nach Lahinch durchgeflucht habe und mich erst auf halber Strecke nach Hause beruhigt hatte!

Übrigens: ich weiß nicht ob euch das schon mal aufegefallen ist aber achtet doch das nächste mal darauf wenn ihr an einem Strand mit angrenzendem Golfplatz seid. Die Golfer befinden sich oben. Ist ja auch klar, der Golfplatz liegt in den Dünen. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, die sehen auf einen herab. Sicherlich nur meine Enbildung aber da sieht man wie weit es mit meiner Aversion gekommen ist.

Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass in Co. Cork eine ganze Insel zum Golf Resort umgebaut wurde. In einem Land wo es so gut wie keine Fahrradwege gibt, die Fußgängerwege teilweise so schmal sind, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt, die Landstraßen so schlecht ausgebaut wurden, dass man sein Auto kaputtfährt, wo die Landschaft durch Mauern in kleinere Parzellen unterteilt wird, in so einem Land tummeln sich also ein paar Auserwählte vereinzelt über riesige Graßflächen. Manche von ihnen sind sogar zu faul zum laufen und fahren in Caddys durch die Gegend oder es fällt ihnen schwer ihre Schläger selber zu tragen und haben einen Sklaven dabei, der das für sie tut oder einen elektrischen Golf-Cart mit Fernbedienung.

Manchmal würde ich am liebsten zu so einem Trottel hingehen, ihm seinen Schläger aus der Hand reißen und ihm das Ding quer über den Schädel ziehen! Naja, wer sich die Mühe gemacht das hier zu lesen wird es vielleicht verstehen ...

Samstag, 21. August 2010

Facebook

Ich weiß ja nicht wie's euch geht aber ich bin bei Facebook weil ich alte Freunde wiedertreffen möchte und neue Leute kennelernen will. Mich nervt es auch nicht wenn ich Freundschaftsanfragen bekomme von Leuten, die ich nicht kenne. Genauso bei Wer-kennt-wen. Meistens bestätige ich, nachdem ich mir das Profil der- oder desjenigen angesehen habe. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich jemals eine Freundschaftsanfrage abgelehnt habe. Hatte deswegen auch nie Probleme.

Warum ich das jetzt schreibe?

Weil es da draußen impotente Flachpfeifen gibt, die anscheined nur dann einen im Geiste hochbekommen wenn sie auf den Ignorier-Button klicken: I'll unfriend you ... welch eine Wortschöpfung ... welch ein Akt. Klar ist das ein Akt, wenn der richtige Akt nicht mehr geht! Da hilft auch keine Auspeitschung im Domina Studio, so sehr man sich das auch wünscht, nicht wahr? Dann schon lieber bei Facebook oder in Foren den Leuten virtuell einen auf den Kopf wichsen, dass einem die Brille beschlägt. Mit Niveau, versteht sich und dem Scheinargument "Manche Leute nerven wirklich".

Übrigens hat Bernd meine Freundschaftsanfrage bei Facebook abgelehnt. Ich habe mich deswegen den ganzen Morgen in mein Studio eingeschlossen und geweint. Hatte aber auch was gutes: habe das Geheule aufgenommen! Kommt demnächst als Intro auf meinen Blues-Sampler. Die Nummer heißt Fuck You ...

Freitag, 20. August 2010

So much love goes down the drain ...



Gestern wurde Mika kastriert. Es war auch Zeit, doch ich fand's trotzdem traurig. Morgens war er noch voller Power und Tatendrang. Als ich ihn am Nachmittag vom Tierarzt abholte, ging's ihm nicht mehr so gut. Er war noch total benebelt von der Narkose und tat mir einfach nur leid.

Wie gesagt, er musste kastriert werden. Mika ist ein Stafford-Bloodhound-Mischling, ein absolut lieber und gutmütiger Kerl, der mit dem Rest der Meute in unserem Haushalt in Harmonie lebt. Doch wenn es um andere Hunde außerhalb geht, kennt er keinen Spaß. Dann wird's ernst. Sein Beschützerinstinkt gewinnt Oberhand und er geht sofort in die Offensive. Sein aggressives Verhalten hat uns schon in so manche brenzlige Situation gebracht. Wenn wir unterwegs sind, muss er einen Maulkorb tragen und ist ständig an der Leine. Anders ist es wenn wir Bällchen spielen. Dann läuft er frei und ohne muzzle rum. Wir müssen uns dann ständig umsehen, dass kein anderer Hund in der Nähe ist. Kommt dann zufällig einer um die Ecke wird's kritisch. Mika hört normalerweise auf's Wort, doch wenn der andere Hund sich komisch aufführt fackelt er nicht lange rum!

Wir hoffen, dass er jetzt mit der Zeit ruhiger wird. Leider wird er für immer Jungfrau bleiben ...

Donnerstag, 19. August 2010

Neues von unserem Mann aus Cavan




Neues von unserem Mann aus Cavan: Bernd Biege. In seinem Blog lese ich gestern die Nummer mit dem Titel Zuwiederhandelnde werden von den Saalordnern geschunkelt! Folgendes stach mir in's Auge (Zitat):

... Fröhlichkeit und der von oben herab institutionalisierte Positivismus im Internet

... in immer mehr Foren ist es, ob nun offen ausgesprochen
oder mehr oder minder subtil dem Nutzer nahegebracht, gar nicht gewünscht, dass eigene Meinung gesagt wird. Also, eigene Meinung schon, aber die muss in das Gesamtkonzept passen. Kurz: Du darfst alles sagen, was sich positiv für unser Produkt ... äh ... unsere "Community" darstellt.

... Ohne möglichst breite und engmaschige Vernetzung ist der
Mensch kein Mensch mehr. Jedenfalls aus der Sicht der Cybernauten und einer Generation, die nie eine Welt ohne Internet, Mobiltelefon und CD kannte

An sich gibet da nix zu meckern. Doch was verursacht mir denn so ein kribbeln im Darm wenn ich das lese? Was stört mich daran?

Die Antwort ist ganz einfach. Was mich daran stört ist Bernd.

Nehmen wir doch mal wieder als Beispiel das Irlandforum.de. In dieser feuchtfröhlichen Gemeinde der grünbebrillten möchtegern Iren war unser Mann aus Cavan eine Zeitlang Moderator und hat dafür gesorgt, dass Zucht und Ordnung herrschte. Es bildete sich so eine Art Clique, bestehend aus einer handvoll Komikern mit Hang zum "Wir-Gefühl" und dem Motto: wir hier und die da draußen. Bernd war ein Mitglied dieser Gruppe, die im Grunde bestimmte wie und wo es lang ging. Jeder Außenstehende oder neu Angemeldete wurde äußerst kritisch beäugt und wer zufällig mal eine gegenteilige Meinung hatte schwamm gegen den Strom.

Im Laufe der Zeit löste sich die Clique jedoch langsam aber sicher auf. Das Verfallsdatum war schon längst überschritten und sogar Bernd als Moderator warf das Handtuch. Einige sind noch da. Bernd auch wieder ... als Mitglied mit Stimmungsschwankungen: mal Kotzbrocken, mal Händchenhalter des Foromsbetreibers ... je nach Gemütslage.

Ich hab's ja schon vorher erwähnt und sage es jetzt wieder: Bernd ist ein nerd, der wie sich das für einen nerd gehört die meiste Zeit vor dem Computer und im Internet verbringt. Und dieser Theoretiker schwafelt über Klopfer-Diktat, Sozialdarwinismus und (Zitat) über die Sicht der Cybernauten ... einer Generation, die nie eine Welt ohne Internet, Mobiltelefon und CD kannte.

What a fucking bullshit! Ohne Internet wäre dieser Mann ein niemand.

Warum also das Geschwafel? Ich denke, weil er sich für was besseres hält.

*yawn*

Nachtrag: Eben lese ich Manchmal nerven Menschen wirklich. Habe Bernd deshalb sofort eine Freundschaftsanfrage per Facebook geschickt. Bin mir sicher, dass er sie annimmt!
Ich frage mich, was sagt das über einen Menschen aus, dem bei I'll unfriend you voll einer abgeht?

Mittwoch, 18. August 2010

Lizzy



Letzten Sonntag waren wir in Lahinch am Strand. Es war ein wunderschöner, warmer, sonniger Sommertag. Dort begegneten wir Mary, einer jungen Dame aus Limerick. Sie hatte ein kleines Hündchen dabei, das sie loswerden wollte. Nicht, weil sie es nicht mochte, sondern weil sie es nicht behalten konnte. Mary ist Käseverkäuferin auf dem Markt in Limerick. Sie arbeitet dort schon länger und kennt die Leute. So auch einige Traveller, die sich auf den Verkauf von Hunden spezialisiert haben. Im Angebot gibt es Mischlingsvelpen. Was nicht verkauft wird, bringt man um! Besagtes Hündchen war so ein Überbleibsel. Mary zögerte nicht lange und kaufte es ... für 60 Euro. Behalten konnte sie es jedoch nicht, da sie in einem Hochhaus wohnt, wo keine Haustiere erlaubt sind. Seitdem war sie auf der Suche nach jemandem, der das Hündchen adoptiert.

Kurze Rede, langer Sinn: wir haben es genommen! Das Hündchen heißt jetzt Lizzy und ist ein kleines Terrier-Mischlingweibchen. Lizzy ist ung. 5 - 6 Wochen alt und hat für ihr Alter schon einiges drauf. Sie ist clever, lernt sehr schnell, ist mutig und frech. Vor allem muss sie sich jetzt mit den drei anderen Hunden in unserem Haushalt auseinandersetzen. Mika, der Stafford-Mischling und von Natur aus Rabulist, mochte sie zuerst überhaupt nicht. Wir mussten ihm einen Maulkorb anlegen, sonst hätte er sie sofort platt gemacht. Doch nach drei Tagen haben sie sich schon so einigermaßen aneinander gewöhnt. Trotzdem muss man die Meute ständig im Auge behalten und aufpassen.

Jetzt haben wir vier Hunde (Jamie, Lua, Mika und Lizzy) und einen Kater (Marley). Unser ganz privater Zoo.

Mittwoch, 11. August 2010

Musik: Oberursel

Steve Morse

Natürlich hatte ich ein neues Vorbild: Steve Morse. Es gab noch andere E-Gitarristen, die ich gut fand und immer noch gut finde: Jimmy Hendrix, Eric Clapton, Joe Satriani, Steve Lukather, Robben Ford etc. Doch Steve Morse hatte es mir besonders angetan. Seine Spieltechnik ist beeindruckend und die ersten beiden Soloplatten Introduction und Steve Morse Band sind für mich auch heute noch die Besten. Anspieltipp: General Lee.

Hier ging es mir weniger um das genaue Nachspielen, als vielmehr ums Zuhören. Natürlich lernte ich ein paar licks, doch man kann auch viel lernen indem man einfach nur zuhört. Robben Ford kam mit seiner Platte Talk To Your Daughter raus und jeder den ich kannte war begeistert. Auch Garry Moore mit Still Got The Blues war ganz obenauf. Die 80er waren ja bekanntermaßen die Jahre der Dauerwellen- und der engen Lederhosen tragenden Heavy Metal Fraktion. Es war auch wieder die Zeit der Guitar-Heroes. Die Musikläden waren vollgestopft mit neuem Equipment und jeden Monat kam was neues auf den Markt. Selten war was dabei, das man wirklich gebrauchen konnte. Ich hatte damals schon tonnenweise Equipment. Beim Proben oder Auftritt standen locker mal 10.000DM hinter mir! Es war einfach nur der Wahnsinn! Ich hatte so viele E-Gitarren, Verstärker und Effektgeräte, dass ich teilweise den Überblick verlor. Von dem Geld das ich dafür ausgegeben habe, hätte ich eine sehr lange Weltreise machen können.

Der Grund dafür lag u.a. in Oberursel. Dort lernte ich nämlich Rolf Bingenheimer kennen. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Thomas Kortmann betrieb er die Firma Bingenheimer&Kortmann (B&K). Sie stellten hervorragende Custom E-Gitarren her. Außerdem hatten sie einen kleinen Gitarrenladen. Rolf war der Verkäufer und Thomas der Gitarrenbauer. Ich kam da hin weil ich einen Verstärker kaufen wollte und blieb dort mehr als 10 Jahre Kunde. Rolf war eine "Konifere"! Er war ein toller Gitarrist, kannte sich mit allem aus und kannte Gott und die Welt. Durch ihn lernte ich mehr über Gitarren, Verstärker und Sound als sonstwo. Dadurch dass ich jede Woche in Oberursel Straßenmusik machte, war ich immer in seinem Laden. Mit der Zeit wurden wir echt gute Freunde. Außerdem gab es da noch Harry, einen alten Oberurseler. Zu dritt hingen wir rum, quatschten über alles mögliche, erzählten Storys, Jokes, Frauengeschichten. Es war einfach eine geile Zeit! Am Wochenende ging ich mit Rolf joggen. Er war Marathonläufer und manchmal joggten wir stundenlang durch den Taunus. Bei sich zuhause hatte er ung. 100.000DM um sein Schlafzimmerbett stehen: alles alte und sehr wertvolle Gitarren von Fender und Gibson. Harry und ich machten uns immer darüber lustig und zogen ihn damit auf indem wir behaupteten, er würde jeden Morgen mit einem Ständer aufwachen und sich vor dem Aufstehen einen runterholen, weil soviele geile Geräte um sein Bett rumstanden!

Rolf war auf der einen Seite ein knallharter Geschäftsmann. Auf der anderen Seite konnte es passieren, dass er einem guten Freund einfach mal so eine Gitarre schenkte! Ich und noch ein anderer "Kollege" mit dem Namen Stefan Raab (nein, nicht DER Stefan Raab) waren wohl die einzigen, mit den meisten B&K Gitarren überhaupt. Rolf stieg irgendwann aus dem Geschäft aus. Ich habe ihn danach kaum noch gesehen, denke aber auch heute noch oft an ihn und vermisse ihn als Freund.

1987 rief mich ein alter Bekannter an: Bernd Stolle, den ich noch aus der Zeit kannte als ich mit 16 anfing Gitarrenunterricht zu geben. Es war damals sein Kurs den ich übernahm und somit als Schüler 1.000DM im Monat verdienen sollte! Bernd, ebenfalls ein super Gitarrist und Musiker arbeitete bei Musik Meyer in Marburg als Vertriebsleiter für Marshall Amps, Music Man- und Ovation Gitarren. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte auf der anstehenden Musikmesse in Frankfurt Ovation Gitarren vorzuführen. Außerdem würde ich zusammen mit Steve Morse und Albert Lee vorführen! Natürlich sagte ich mit Begeisterung zu!

Ein paar Wochen später war es dann soweit: ich war auf der Musikmesse auf dem Stand von Musik Meyer und lernte Steve Morse und Albert Lee persönlich kennen. Lee war in den 70ern der Haus- und Hofgitarrist von Eric Clapton (Anspieltipp: Just One Night) und ist wohl einer der nettesten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Als ich dann die erste Nummer spielte, stand er vor der Bühne und hörte aufmerksam zu. Ich glaube ich war in meinem ganzen Leben noch nie so aufgeregt! Albert Lee gehört zu den weltbesten Country Gitarristen und hat schon mit unzähligen Stars zusammengespielt. Sein Gitarrenstil ist legendär. Für mich war es eine Ehre und es waren die wohl fünf glücklichsten Tage meines Lebens.

Ich arbeitete noch eine zeitlang als Ovation Endorser und tourte mit Bernd durch Deutschland. Außerdem entwarf ich Akustikgitarren-Sounds für die Firma Korg. Es war sehr einfach an gute Jobs ranzukommen sofern man die richtigen Leute kannte. Die Aufträge kamen mir einfach so zugeflogen. Das ging ung. ein Jahr so weiter. Doch dann gab es Probleme. Bernd wechselte die Firma. Ich wollte mehr Arbeit in meine Band investieren. So schön alles angefangen hatte, hörte es auch wieder auf.

Ich denke, die Zeit zwischen 1985 - 89 war die aufregendste überhaupt. Bis zum 19. Februar 1989, um genau zu sein.

Dann starb mein Vater.

Montag, 9. August 2010

Musik:Treibhaus


Treibhaus. Von links: Ich, Thomas Grüber (Schlagzeug), Dieter Skambraks, Martin Reinhard (Keyboard) und Ralf Müller (Bass)

Mitte der 80er hatte ich die Nase voll vom Solisten Dasein. Es wurde Zeit für R&R und eine richtige Band! Ich hatte vorher schon E-Gitarre gespielt aber nie in einer Band mitgewirkt. Meistens waren das nur irgendwelche spontanen Sessions. Wie einmal in einem Proberaum in Hanau. Die Straße hieß bezeichnenderweise "Im Krawallgraben". Dort stand ein Fender Twin Reverb Amp (Verstärker) über den ich eine Fender Strat (E-Gitarre) spielte. Der Amp gehörte einem Gitarristen, der dort regelmäßig probte und klang einfach nur fantastisch! Ich glaube spätestens da wurde ich angefixt.

Wolfgang Tuch spielte bereits E-Gitarre und jamte mit einigen Leuten im Treibhaus der Gärtnerei Strutt in Rodenbach. Er hatte schon länger die Nase voll von der Akustikgitarre und wollte nur noch auf der elektrischen spielen. Irgendwann kam ich mit und wir gründeten die Kapelle Treibhaus. Das war die erste und eigentlich die einzig richtige Band in der ich jemals gespielt habe. Wir spielten kaum nach, sondern schrieben unseren eigenen Songs und probten zwei, drei mal die Woche. Es war eine total produktive Zeit, die ich niemals vergessen werde. Unser Sänger Dieter Skambraks und ich schrieben die Nummern. Dieter war ein Fan von Wolf Mahn und schrieb deshalb auch deutsche Texte, ich dagegen nur englische. Wir ergänzten uns hervorragend und wurden die besten Freunde. Damals gab es eine gute Musiker- und Band-Szene in Hanau. Alle spielten regelmäßig im Jazz Keller oder im Kuba (Kulturbazar). Die Hütte war meistens voll und die Stimmung super!

Als Dieter einmal in den Urlaub nach Griechenland fuhr, lernte er dort eine Dänin kennen. Ihr Name war Mie ... und das war der Anfang vom Ende der Band. Doch zu der Zeit wusste das weder er noch sonst jemand. Wir spielten fröhlich weiter und wurden immer besser. Irgendwann wurde eine Tour nach Dänemark organisiert. Wir spielten in Mies Heimatstadt Arhus. Ich kann das Ganze einfach nur mit folgenden Worten beschreiben: es war absolut geil! Wir hatten einen riesen Spaß und spielten wie die Götter. Einfach nur gigantisch!

Danach fuhr Dieter immer öfters nach Arhus. Irgendwann war er weg ... für immer. Ich versuchte ihn am Gesang zu ersetzen, doch letztendlich war es nicht mehr so wie vorher, zumal ich auch kein Lead-Sänger war. Die Band löste sich mit der Zeit auf. Das alles war sehr schade, da wir uns auf dem Höhepunkt unseres Schaffens befanden. Es gibt ja diesen blöden Spruch der besagt, man soll immer dann aufhören wenn es am schönsten ist. Genauso war es bei uns. Ich bin mir sicher, wäre das alles so nicht gelaufen, hätten wir noch lange Zeit zusammen gespielt.

Wir waren gut, verdammt gut!

Freitag, 6. August 2010

Musik: Weiter geht's!


Pierre Bensusan bei einem Konzert in Irland

So um 1982 herum hörte ich durch meinen damaligen Kumpel und Gitarrenweggefährten Wolfgang Tuch das erste mal von Pierre Bensusan. Wolfgang hatte sich die neuste Platte von Bensusan gekauft und wollte sie mir unbedingt vorspielen. Titel der Scheibe: Solilai. Ich kann dieses Hörerlebnis nur so beschreiben: es ging die Sonne auf! Ähnlich wie bei Kottke hatte ich so etwas vorher noch nie gehört. Doch Bensusans Musik und Gitarrenstil ist völlig anders. Eine Mischung aus alt englischer und irischer Folklore mit orientalischen Einflüssen und einer Prise Jazz und Latin. Das Ganze auf Spieltechnisch allerhöchstem Niveau. Absolute Weltklasse!

Natürlich wollte ich das sofort spielen! Ich kaufte mir The Guitar Book, das erste Buch von Bensusan, wo praktisch alles drin steht was aus seiner Gitarren- und Musikphillosophie hervorgeht ... sogar Kochrezepte! Doch ich merkte sehr schnell: schwer, sehr schwer! Ähnlich wie beim Flamenco ist das genaue Nachspielen von Bensusan-Stücken ein absoluter fulltime job. Dazu muss ich etwas mehr ausholen:

Ein Virtuose (egal ob auf der Gitarre oder irgendeinem anderen Musikinstrument) ist zeitweise ziemlich einsam, weil er alles seinem Instrument unterordnet und die meiste Zeit damit verbringt im stillen Kämmerlein zu üben. Das geht über Wochen, Monate , Jahre. Man hört immerwieder von diesen Wunderkindern, die im frühen Alter ein Instrument spielen, als wären sie damit auf die Welt gekommen. Wärend andere Kinder draußen spielen, sitzen die Wunderkinder jedoch schön daheim und üben. Geht auch nicht anders. Selbst wenn man ein super Talent ist, kommt man nicht um das Üben herum. Das ist Grundvoraussetzung, damit das Instrument zu einer Art Medium wird, das man ohne viel darüber nachzudenken einsetzt um sich zu artikulieren. Ungefähr so wie die Stimme beim Reden.

Ich wollte spielen können wie Kottke und Bensusan. Ich wollte ein Virtuose sein, einer der Besten. Es sollten einige Jahre in's Land gehen bis ich merkte, dass ich das garnicht bin. Dazu später mehr. Auf jeden Fall fing ich an Bensusan nachzuspielen. An der Nummer Nice Feeling biss ich mir die Zähne aus. So richtig spielen konnte ich sie nie aber das Schöne war, dass sie mich inspirierte und ich daraus eigene Sachen komponierte. Außerdem bekam ich einen kleinen Einblick in die Welt oder bessergesagt das Universum des Pierre Bensusan. Es war einfach unglaublich was ich da sah. Doch es war seine Welt und nicht meine.

Bensusan ist für mich auch heute noch ein Hörgenuss. Nicht nur wegen seinem Gitarrespiel, sondern weil seine Musik wunderschön ist. Ich würde ihn als Mozart der Akustikgitarre bezeichnen und kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen.

Doch es passierte noch etwas anderes. Eines Abends spielten Wolfgang und ich im Hauptprogramm einer Gitarrenveranstaltung im damaligen Folk-Club Globus in Darmstadt. Es gab jede Menge Gitarristen und wie gesagt Wolfgang und mich als top act. Die Leute waren muksmäuschen still, saßen schön gepflegt auf den Stühlen und hörten zu. Doch dann kam die Überraschung: plötzlich tauchten da so zwei Typen auf und stahlen uns die Show! John Strong und Chris Jones. Beide waren auf Deutschland-Tour und kamen gerade mal so vorbei. Als sie dann loslegten war es mit dem zivilisierten Benehmen des Publikums vorbei. Die Leute standen auf den Stühlen und jubelten wie die Verrückten. Ich übrigens auch! Und wieder mal: so etwas hatte ich noch nie gesehen! Die beiden spielten Blues-Rock auf askustischen Gitarren und klangen wie eine Band. Dazu sangen sie zweistimmig. Ich war hin und weg!
Wir blieben dann noch bis spät in die Nacht und spielten uns gegenseitig vor. Doch als wir jamten merkte ich sehr schnell, dass ich diesen Jungs das Wasser nicht reichen konnte. Ich, der guitar hero aus Hanau kam mir wie ein blutiger Anfänger vor. Und genau das war ich auch. Ich konnte zwar Stücke spielen aber wenn es darum ging mit jemanden zusammenszuspielen und zu improvisieren, war ich eine Pfeife. Singen konnte ich auch nicht.

Es dauerte eine Weile bis ich das verarbeiten konnte. Doch dieses Schlüsselerlebnis zeigte mir, dass es da noch mehr gab als Kottke, Bensusan und virtuoses Rumgezupfe! Es gab eine neue Welt zu entdecken und da wollte ich unbedingt hin!

Chris Jones war gerade im Begriff sich in Darmstadt niederzulassen. Ich nahm ein paar Stunden Unterricht bei ihm und er zeigte mir dies und jenes aber richtig was anfangen konnte ich damit noch nicht. Ich war zu sehr Virtuose, festgefahren in musikalischen Schemen und Abläufen. Er blieb dann noch einige Jahre in der Gegend und ich sah ihn oft live im Jazz Keller Hanau. Jedes seiner Konzerte war ein Erlebnis, ein Wunder, ein Film.

Ich weiß noch wie er mal Rosie von Jackson Browne zum besten gab. In der Nummer geht es im Grunde genommen um's Onanieren: da ist diese Band und der Roadie, der während des Konzerts ein Auge auf ein schönes Mädchen geworfen hat. Doch am Ende bekommt sie einer der Musiker und der Roadie geht wieder mal leer aus. Er holt sich dann wie immer einen runter. Der Refrain geht so:

But rosie you’re all right -- you wear my ring
When you hold me tight -- rosie that’s my thing
When you turn out the light -- I’ve got to hand it to me
Looks like it’s me and you again tonight rosie

Als Chris anfing die erste Strophe zu singen wo es heißt She was standing at the load-in when the trucks rolled up ... habe ich die Trucks wie in einem Film direkt vor meinen Augen gesehen.
Ich hatte Gänsehaut und alle im Jazzkeller waren wie verzaubert.

DAS nenne ich Kunst!

Ich habe jahrelang die Musik von Chris Jones gehört. Er ist einer der wichtigsten Musiker, die mich grundlegend musikalisch beeinflusst und verändert haben. Ich widmete ihm ein Instrumentalstück mit dem Titel The Magic Man. Denn wenn er spielte und sang war es einfach nur magisch. Als er dann Deutschland verließ, tingelte er durch die Weltgeschichte und machte mit anderen Leuten Musik. Oft hatte er nicht viel mehr als nur seine Gitarre bei sich. Bei ihm hatte ich das Gefühl, er wäre mir immer einen Schritt voraus. Ich konnte niemals das tun was er tat: die Musik zu leben!

Leider starb Chris Jones vor drei Jahren an Krebs.

Donnerstag, 5. August 2010

Musik: Die Anfänge




Will heute mal über Musik reden. Bands, Musiker und Gitarristen, die mich in meinem bisherigen musikalischen Leben stark beinflusst haben.

Ich war 14 als ich anfing Gitarre zu spielen. Eigentlich hatte ich garkeine Lust dazu aber mein Vater sagte er hätte gehört, dass in der Nachbarschaft jemand Gitarre unterrichten würde. Da ich kurz vorher rein Zufällig eine Gitarre gekauft hatte, war es naheliegend zu lernen wie man sie spielt. Also ging ich irgendwann mal rüber ohne zu ahnen, dass damit die Weichen für mein zukünftiges Leben gestellt wurden.

Thomas (Thommy) Weber hieß mein Gitarrenlehrer. Er spielte hervorragend, war ein guter Pädagoge und konnte einem wirklich was beibringen. Ich kann mich nicht erinnern, dass er in den anderthalb Jahren Unterricht jemals ungeduldig oder gar sauer wurde. Er war einer von zwei Gitarristen der Band Scaramouche, die damals lokal sehr erfolgreich war. Sie spielten u.a. Sachen von Yes, Led Zeppelin, Queen sowie Eigenkompositionen. Thommy selbst komponierte ein Stück auf der 12-Saitigen Gitarre mit dem Titel Easy Air On My Mind. Ich lernte diese Nummer innerhalb kürzester Zeit sowie Stairway To Heaven von Led Zeppelin, das ich bis heute noch genauso spiele. Kann mich noch an die erste Unterrichtsstunde erinnern. Thommy zeigte mir ein paar Akkorde und eine einfache Anschlagtechnik. Ich ging nach Hause und machte mein erstes Lied daraus. Von Anfang schrieb ich meine eigenen Songs. Ich war total verstrahlt. In der nächsten Stunde lernte ich den Blues oder bessergesagt das 12-taktige Blues-Schema. Danach ging's Schlag auf Schlag. Meinen ersten richtigen Song mit englischem Text und trallalla schrieb nach ungefähr drei Wochen. Er hieß Marnies und ich sang Englisch. Ich wusste zwar nicht genau was ich da sang aber Hauptsache es reimte sich!

Irgerndwann kaufte ich mir eine neue Gitarre. Für fünhundert Mark beim Musikhaus Bayer in Hanau. Es war ein wunderschöne 12-Saitige Luxor. Mein Vater war mit dabei und bezahlte. Rein zufällig vielen mir beim Durchstöbern der Schalplatten zwei Scheiben von Leo Kottke in die Hände: 6&12 String Guitar und Mudlark. Ich hatte noch nie von einem Leo Kottke gehört aber auf dem Cover stand was von Gitarrenmusik, also her damit. Es passieren machmal ganz entscheidende Sachen im Leben. Dinge die einen prägen. Zuhause angekommen legte ich die Platten auf und konnte einfach nicht glauben was ich da hörte! Ich war absolut fasziniert. Die nächtsen 20 Jahre sollte Leo mein Gitarrengott sein. Seine Musik hat mich in dieser Zeit kein einziges mal gelangweilt. Ich baute mein musikalisches Leben um Leo und spiele heute noch seine Stücke wie damals.

Als ich dann in der nächsten Unterrichtsstunde Thommy eine Nummer vorspielte, die ich unbedingt lernen wollte sagte er, das wäre unmöglich weil da mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Gitarristen spielen würden. Ich glaubte ihm auf's Wort, denn genauso hörte es sich an. Selbst Eric Clapton galubte das: als man ihm das erste mal Leo Kottke vorspielte soll er gesagt haben "Great! Who are those three?!" In meinem Fall ging es um Eight Miles High von Golden Earing, einer Coverversion gespielt von Leo auf Mudlark. Später sah ich Leo das erste mal live. Er spielte Eight Miles High wie auf der Platte ... alleine! Damit war der Zeitpunkt gekommen, mich als Gitarrenschüler von Thommy zu verabschieden. Er konnte mir nicht mehr das beibringen, was ich unbedingt lernen wollte: Fingerpicking im Stile von Leo Kottke.

Es gab jedoch nur sehr wenig Möglichkeiten so etwas zu lernen. Nicht so wie heute, wo man sich alles aber auch wirklich alles aus dem Internet besorgt. Wenn man Glück hatte, lernte man jemand über eine Anzeige kennen, mit dem man dann Gitarrentabulaturen austauschte. Oder man besorgte sich das Gitarrenbuch von Peter Bursch (dem damaligen Gitarrenlehrer der Nation). Sein Gitarrenbuch war gemessen an dem was es damals gab eine Sensation. Es enthielt Lieder von Neil Young, Donovan, Bob Dylan sowie instrumentale Stücke wie Anji von Davey Graham und Alices Restaurant von Arlo Guthrie. Hinten drin war so eine biegbare Schalplatte mit Soundbeispielen. Wie gesagt, eine Sensation.

Nachdem ich die Grundtechnik des Fingerpickings begriffen und gelernt hatte, fing ich an Leos Sachen von der Platte runterzuhören. Eine höchst schwierige Aufgabe, bei der jedoch mein musikalisches Gehör exzellent geschult und geschärft wurde. Den Schalplatten tat es allerdings nicht so gut. Mit der Zeit wurden sie von dem ständgen Wechsel des Tonarmes total zerkratzt. Das erste Instrumentalstück, das ich runterhörte war Cripple Creek. Der allererste Song war Father and Son von Cat Stevens. Beides spiele ich heute noch genau so wie damals.

Ich hörte Musik von Neil Young, CSN&Y, Cat Stevens, Pink Floyd, Led Zeppelin, Hendrix, Yes, Fleetwood Mac, Eagles, Allman Brothers Band, Eric Clapton, Jackson Browne, James Taylor etc. Sachen, die jeder von uns so hörte. Blues, Jazz und Klassik. Doch vor allem akustische Gitarrenmusik von Leo Kottke, John Fahey, Peter Lang, Duck Baker, John Renbourn. Die deutschen Gitarristen Werner Lämmerhirt und Peter Finger, den Tschechen Sammy Womacka vom deutschen Plattenlabel Stockfisch. Klassische Gitarrenmusik interpretiert von John Williams und Julian Bream. Nicht zu vergessen Andres Segovia! Steven Grossman mit seinem Kicking Mule Label war auch sehr wichtig. Er war derjenige, der Gitarrentabulaturen im großen Stil international herausbrachte. Am schönsten waren die Schallplatten mit im Cover enthaltener Tabulatur. Das waren richtige Kunstwerke. Ich denke, dass man heutzutage für so ein Original richtig viel Geld bezahlt. Ich hatte einen ganzen Schrank voll davon!

Einige meiner Lieblingsplatten damals:

Alles von Leo Kottke
Harvest - Neil Young
Four Way Street - CSN&Y
Alle Pink Floyd Scheiben!
Dancing in The Dragons Jaws - Bruce Cockburn
L.A. Turnaround - Bernd Jansch
Yellow Jackets (die erste)

Das alles passierte im Zeitraum 1977 - 80. Yeah baby, those were the days ... Fortsetzung folgt!

Montag, 2. August 2010

Scarriff Festival



Vor einigen Wochen spielte ich mal wieder in Killaloe. Dort wurde ich von einer Dame angesprochen, ob ich nicht in ihrem Pub spielen wollte. Kurze Zeit später erzählte mir ein Typ von der Buskers-Kompetition in Scarriff. Er war einer der Veranstalter und lud mich ein mit teilzunehmen. Ich sagte beiden zu.

Am vergangenen WE war es dann soweit: Gig im Walshes Pub am Samstag und die Kompetition am Sonntag. Den Gig verbuche ich mal als "das Übliche": nicht schlecht aber auch nicht so der Renner. Trotzdem war es mal gut in Killaloe aufzutreten. In der Pause ging ich die Straße runter in einen anderen Pub, wo doch tatsächlich eine richtige Band spielte! A rare sight. Gute Stimmung, guter Sound und brechend voll. Wieder zurück in meinem Pub kam ein Stoß von Leuten durch die Tür. Sie kamen von dort wo die Band spielte und wollten einfach mal sitzen statt die ganze Zeit nur zu stehen. Später stellte sich heraus, sie waren von Cork und verbrachten das WE in Killaloe. Sehr nette Leute. Vor zwei Uhr Nachts kam ich dort nicht raus.

Die Buskers-Kompetition war ein Teil des jährlichen Festivals in Scarriff. Wobei ich nicht weiß welches Festival das eigentlich war, denn es gibt mehrere im Jahr. Egal. Lustig war's ... und total chaotisch! Der Typ, der mich angesprochen hatte, war der Organisator des Busker-Events. Am Morgen der Veranstaltung packte er einfach sein Zeug und fuhr zum Angeln. Kam auch nicht zurück. Somit wusste niemand bescheid wie die Sache ablief. Mir wurde einfach nur gesagt, ich solle mir irgendwo einen Platz suchen und das tun was ich sonst immer tue. Gesagt getan. Nach ung. zwei Stunden hörte ich dann, dass die Entscheidung wer gewonnen hatte bereits gefällt wurde. Denn die Juroren liefen schon die Ganze Zeit durch die Gegend und hörten sich jeden Busker an. Um 16 Uhr kam die Durchsage. 2. Platz: a man called Ned Bird. 1. Platz: eine Schülertruppe aus dem Ort. Als Preisgeld bekam ich 50 Euro, die Schüler 100.

Danach ging's in die Scarriff Gardens, so eine Art Projekt für den Anbau von organischem Gemüse der dort ansässigen Hippie Community. Es wurde Vollkornpizza im Steinofen gebacken und die Leute sangen und spielten Gitarre. Wir saßen gemütlch beisammen, redeten über Gott und die Welt und rauchten einen Joint. Wie in alten Zeiten.

Auf dem Weg zurück nach Hause fuhren wir durch Feakle. Mann ist das ein verschlafenes Nest. Soviele Cottages habe ich noch nirgends auf einem Fleck gesehen. Der Tag war zwar bewölkt aber warm und trocken. Die Landschaft wunderschön.

Alles in allem: ein schönes Wochenende!